Jutta Michaud

Blog

Impressionen vom Welteierstockkrebstag

13. Mai 2019 | 1 Kommentar

Die Stiftung Eierstockkrebs und ihr Gründer Prof. Dr. Jalid Sehouli haben dem Muttertag eine zusätzliche Bedeutung hinzugefügt: jeweils am 2. Maisonntag eines Jahres wird der 7500 Frauen gedacht, die jährlich an Eierstockkrebs erkranken um das öffentliche Bewusstsein für diese heimtückische Krebsvariante zu fördern.

Eierstockkrebs ist schwer zu diagnostizieren, eine spezielle Vorsorge gibt es nicht. Eher selten wird die Krankheit im Frühstadium erkannt und galt daher lange Zeit als Todesurteil. Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Langzeitüberlebende, deren lebenserhaltende Ressourcen an der Charité ausgiebig erforscht und wo möglich gefördert werden. Auch eine neue Generation von Krebsmedikamenten sorgt für einen Rückgang der Mortalitätsrate.

Mit Fachvorträgen zu den neuesten Erkenntnissen der Krebsforschung und -therapie, Initiativen und Aktionen ist der Welteierstockkrebstag inzwischen zur Institution geworden. Diesmal erwies sich der Senatssaal der Humboldt-Uni mit seinen 150 Sitzplätzen bereits als viel zu eng für die vielen Betroffenen, Angehörigen, Ärzte und Therapeuten, die den Vorträgen aus Medizin und Kreativtherapie lauschten. Die ganzheitliche Betrachtung von Menschen mit ihrem Bedürfnis nach Selbstausdruck und Kommunikation fördert die Selbstheilungskräfte und das Gefühl der Autonomie, was der Genesung nachweislich zugutekommt. Deshalb lobt die Stiftung jährlich einen Wettbewerb zu einem kreativen Motto aus.

Neben dem Buch „Bauchgefühle. Leben aus Leidenschaft“, einer Anthologie mit Texten aus dem Schreibwettbewerb, dessen Gewinner im Vorjahr geehrt wurden, stellte die Jury des diesjährigen Malwettbewerbs die Favoriten aus über 150 Einsendungen vor. Erstmals hatte es auch ein Online-Voting gegeben.

Besonderes Augenmerk verdient jedoch die Initiative „Rosi.“ Mit einer großangelegten Spendenaktion und einer Crowdfunding-Kampagne sammelt die Stiftung Eierstockkrebs derzeit Mittel, mit deren Hilfe die Therapieräume der Frauenklinik der Charité mit dem „Charme“ eines Warteraums zu echten Lebensräumen verwandelt werden sollten. Holz, warmes Licht, Bilder, Ruhe und angenehme Farben sollen die Räume in Orte verwandeln, in denen sich die Frauen während ihrer Chemotherapie wohlfühlen können. Kreativangebote wie malen und schreiben, Lesungen und Ernährungsworkshops sollen ihnen künftig die Zeit am Tropf verkürzen und zu einem Stück echter Lebenszeit werden. Beachtliche 69. 000€ sind bereits in den ersten beiden Wochen der Kampagne zusammengekommen, insgesamt werden jedoch 400.000€ benötigt, um das Gesamtpaket finanzieren zu können. Gespendet werden kann hier: Stiftung Eierstockkrebs, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE78 1002 0500 0001 2065 00, BIC: BFSWDE33BER oder per Charity SMS im Wert von 5€ unter 81190, Kennwort ESK.

Übrigens hat diese Aktion einen konkreten Bezug zum Muttertag. Ausgerechnet an diesem Tag hatte Rosi Müller, eine Patientin von Professor Sehouli, ihrer Tochter erzählt, sie habe ein Rezidiv, der Krebs sei zurück. Tina begleitete ihre Mutter bis zu deren Tod durch die verschiedenen Stadien der Therapie und lernte dabei die unwirtlichen Therapieräume kennen. Im Gespräch mit Professor Sehouli entwickelte sich die Idee, diese „Schreckensräume“ in lebendige Lebensräume umzugestalten. Manchmal reicht ein eben doch schon Gespräch oder eine Begegnung, um Dinge zum Positiven zu wenden.

Dieses Bild entstand in der kreativen Pause als Gemeinschaftsbild von Patientinnen und Therapeutinnen.

PRALLE TAGE IM MAI

18. Mai 2018 | 4 Kommentare

Ein Füllhorn an Eindrücken und Entwicklungen – so fühlte sich der Mai in diesem Jahr für mich an. Eigentlich  füllte sich das Horn schon im April mit Erscheinen unseres Übungsbuchs für Krebspatienten „Mit Schreiben zur Lebenskraft“. Immer wieder schön, so ein frisch geschlüpftes „Baby“ in den Händen zu halten!

Initiiert von Dr. Adak Pirmorady, Ärztin, angehender Psychosomatikerin und Illustratorin unseres Buches, fand am 8. Mai mit der Gründung derEuropäischen Künstlergilde für Medizin und Kultur“, die Geburtsstunde für ein richtungsweisendes Projekt statt.

Die AkteurInnen des frisch gegründeten Vereins möchten sich für eine Zusammenführung von Medizin und Kultur einsetzen, den interdisziplinären Austausch fördern sowie sich für den verstärkten Einsatz kreativer Therapien einsetzen.

„Kreativität ist eine zwingende Basis für eine flexible sinnreiche Kommunikation, ebenso für eine Sensitivität in der zwischenmenschlichen Beziehung. Kreativität kann ebenfalls als Zugang zum Unbewussten verstanden werden und ist somit eine Notwendigkeit in der ärztlichen Behandlung“, heißt es im Positionspapier der Künstlergilde.

Bereits in Planung  sind  Vorträge und Veranstaltungen, die dazu beitragen sollen, die Kluft zwischen der technologisch hoch entwickelten Medizin und dem menschlichen Bedürfnis nach empathischer Zuwendung und Kommunikation   zu verringern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Förderung der Künstlerischen Therapien.

Den Nutzen Künstlerische Therapien sichtbarer machen

Wie beim Schreiben finden Menschen auch beim Malen, Singen, Theaterspielen und anderen kreativen Aktivitäten einen heilsamen Zugang zu sich und ihren Gefühlen. In einer Gruppe entwickeln sich beim gemeinsamen Tun tiefgehende Kommunikationsprozesse, Solidarität und Lebensfreude – Aspekte, die das Immunsystem erwiesener Maßen stärken. Die Entdeckung persönlicher Ressourcen, verbunden mit dem künstlerischen Selbstausdruck, nutzt aber nicht nur Patienten. Auch das medizinische Fachpersonal profitiert von den positiven Energien, die durch kreative Prozesse ausgelöst werden. Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben (GKS) beispielsweise kann Burnoutgefahren vorbeugen. Daher freuen wir uns als Team SUDIJUMI besonders über die Ziele des Vereins.

Mit ihrer vielseitigen Erfahrung aus ihrem „ersten Berufsleben“ als Kommunikationsmanagerin, unterstützt meine Teampartnerin Susanne Diehm im Vorstand das Team als Schriftführerin  bei der Konzeption öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten .  Zum Vorstand gehören neben der Vorsitzenden Dr. Adak Pirmorady  und Susanne Diehm die Ärztin und angehende Psychosomatikerin Dr. Nike Spinnler sowie die freiberufliche Designerin Katrin Laville.

Medical Humanities? Spannend!

Ein Highlight war für mich an diesem Abend der Vortrag von Professor Dr. Heinz-Peter Schmiedebach zum Thema „Medical Humanities“. Dabei handelt es sich um einem ganzheitlichen Ansatz, der Geschichte und Gegenwart der Medizin unter kulturellen, ökonomischen, technischen, religiösen und politischen Aspekten betrachtet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen Krankheit und Genesung aufgrund ihrer spezifischen Lebenssituation verstehen und bewerten. Für Ärzte ist dieses Wissen insofern von Bedeutung, als es sie dabei unterstützen kann, den passenden Zugang zu ihren Patienten zu finden um sie dadurch bei der Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Professor Schmiedebach, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, hat an der Charité die bundesweit erste Professur für Medical Humanities eingerichtet.

Welteierstockkrebstag 2018

Gendarmenmarkt 1

Kundgebung gegen Eierstockkrebs und für Lebensfreude auf dem Gendarmenmarkt

Gendarmenmarkt 2Vortrag

Wenige Tage später, am 13. Mai, durfte ich mit einem Vortrag über das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben und unsere Arbeit im Team SUDIJUMI einen kleinen Beitrag zu dieser außergewöhnlichen Muttertags-Veranstaltung beitragen. Ausgerichtet wurde sie von der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs.

Der Termin ist kein Zufall. Prof. Dr. Jalid Sehouli, Initiator dieser wunderbaren Kombination aus verständlichen Fach- und Informationsvorträgen zum Stand der Forschung  sowie zu kreativen Therapieansätzen, hat ihn gewählt, weil gerade an diesem Tag der Blick auf Frauen – und nicht nur auf Mütter! – gerichtet ist. Rund 8000 Frauen erkranken jährlich an Eierstockkrebs. Leider wird er häufig erst in einem späten Stadium entdeckt, weil er bei den herkömmlichen Vorsorgeuntersuchungen unauffällig bleibt. Im öffentlichen Bewusstsein ist er daher viel zu wenig präsent. Im Frühstadium bleiben die Symptome selbst erfahrenen Ärzten  verborgen. Die jährliche Veranstaltung  für diese Krebserkrankung sensibilisieren.

150 Einsendungen zum Literaturwettbewerb

In diesem Jahr hatte die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs einen Literaturwettbewerb für Patientinnen, Angehörige und medizinisches Personal ausgelobt. Entstanden sind Texte, die Lebensfreude und Lebensmut mit und trotz der Erkrankung versprühen und deutlich machen, dass Krankheit nur ein Aspekt der menschlichen Existenz ist. Die Auswahl ist der prominent besetzten Jury nicht leicht gefallen!

In der Rubrik „Gedichte“ siegte Julia Schwertfeger mit „Schweres Gepäck“,  gefolgt von Regina Levanic mit „Laute Stille“ sowie Beke Rienitz mit „Auf den Schaumkronen sitzen Metastasen“. Platz 1 in der Rubrik „Kurzgeschichte“ fiel auf Birgit Grubers Geschichte „Passen Sie Bloß auf, dass mir nichts passiert“, gefolgt von „Die Andere“ von Elli Bunt und „Kein fest ohne Eingemachtes oder Experiment mit einem Krebsgeschwür“ von Sylvia Czerner.

Der Preis für die „Besondere Geschichte“ ging an Manfred Kiefer. „Ohne Sie“ , sein Beitrag, ist der berührende Text eines Angehörigen, der um Worte ringt.

Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass eine Erstplatzierte aus dem Kreise unserer Seminarteilnehmerinnen kam. Gelohnt hat sich die Wettbewerbsteilnahme jedoch für alle, die einen Beitrag eingeschickt haben. In einer Anthologie der Stiftung werden auch jene Teilnehmertexte veröffentlicht, die es nicht aufs Siegertreppchen geschafft haben.

Preisträger und Juroren

Erfolgreiche Wettbewerbsteilnehmerinnen – leider konnten nicht alle PreisträgerInnen nach Berlin kommen. Auch die Jury bestand aus einer Abordnung , die u.a. mit Wolfgang Kohlhase, Patricia Riekel, Dr. Jutta Vincent und Dr. Elke Leonard hochkarätig besetzt war.

Das nächste spannende Ereignis ist der Auftakt der BRCA-Tour am 18. Juni im Humboldtforum, siehe Flyer. Für Team Sudijumi freut sich schon darauf, GKS in Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen zu dürfen.

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