Jutta Michaud

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Spuren hinterlassen

29. Oktober 2018 | Keine Kommentare

Nicht einfach „weg sein“ nach dem Tod, das wünschen sich wohl die meisten Menschen.  Wer schon zu Lebzeiten im Licht der Öffentlichkeit steht, findet  immer  einen Chronisten, der auf diese Weise für „Unsterblichkeit“ sorgt. Die kleinen und großen Helden des Alltags gehen in der Regel ohne großes Blitzlichtgewitter.

Aber brauchen wir  überhaupt Blitzlichtgewitter und Chronisten?
Ist es nicht viel wichtiger, in den Herzen jener lebendig zu bleiben, die uns kannten und liebten? Und zwar so, wie es zu uns und allem, was uns ausmacht, passt?
Schreiben ist eine wunderbare Möglichkeit, unseren Liebsten ein Stück gelebtes Leben zu hinterlassen. Glücksmomente, Erinnerungen, Dankesworte, Wünsche für die Zukunft der Bleibenden, vielleicht sogar ein paar Dinge, die sie zu Lebzeiten nicht über uns wussten. Überraschungen, die uns beim Niederschreiben schmunzeln lassen, weil wir uns Gesichtsausdrücke und Reaktionen vorstelllen. Schreibend können wir bewusst Spuren setzen. Selbstbestimmt und bis zum letzten Augenblick.

Regina, die Autorin des Gastbeitrags auf Onkobitch, möchte für ihre Familie und ihre Freunde Spuren hinterlassen. Einen Textbeitrag, den sie vielleicht zufällig entdecken und sich darüber freuen. Ich regblogge ihren Beitrag, weil mich ihr Mut, die Fürsorge für ihre Liebsten und auch  ihre Verwirrung, zu der sie offen steht, sehr berührt. Ich wünsche Regina viel Kraft und inneren Frieden für die Zeit, die vor ihr liegt. Und ich möchte sie und Andere ermutigen: Schreibt Leute, schreibt!

https://onkobitch.wordpress.com/2018/10/26/spuren-hinterlassen-reginas-gastbeitrag/

 

Raus aus der Stigmatisierung!

7. Oktober 2018 | Keine Kommentare

Mit „Dr. Psych´s Ratgeber Borderline“ machen sich Sandra Maxeiner und Hedda Rühle für psychisch Kranke stark

Nirgendwo zugehörig, wertlos und im Extremfall ohne Existenzberichtigung fühlen sich Menschen, die es nicht schaffen „einfach gut drauf“ zu sein und den gängigen Erwartungen zu entsprechen. Ihre Umwelt reagiert ablehnend und verständnislos auf heftige Gefühlsausbrüche, scheinbar unerklärliche Traurigkeit, Sprunghaftigkeit, übergriffiges oder aggressives Verhalten, das sich gegen die eigene Person oder nahestehende Menschen richtet. Menschen, die an einer Borderline-Erkrankung leiden, kämpfen in der Regel mit mehreren Symptomen und Folgen traumatischer Erlebnisse gleichzeitig.

Mit ihren Büchern möchten die Autorinnen Sandra Maxeiner und Hedda Rühle dazu beitragen, psychische Erkrankungen aus der Stigmatisierung heraus zu holen und ein breiteres Verständnis für deren Hintergründe zu vermitteln. Das Besondere: Es wird nicht über die Köpfe der Patient*innen und deren Symptome hinweggeschrieben. Basierend auf ausführlichen Interviews geben die Autorinnen den Menschen eine Stimme, und damit ein wichtiges Stück Menschenwürde und Bedeutsamkeit. Denn eine Grunderfahrung aller Betroffenen ist es, aufgrund ihrer Erkrankung immer wieder abgewertet zu werden.

So erfahren die Lesenden zunächst, wie sich die Krankheit anfühlt, welche Herausforderungen sie im Alltag mit sich bringt und können eine Vorstellung davon entwickeln, warum sich Borderliner besonders anstrengen müssen, um die Krankheit zu beherrschen, bzw. ihr Leben aktiv in die Hand zu nehmen.

Wissenschaftlich fundiert und basierend auf langjähriger Erfahrung vermittelt die Psychologin und erfahrene Therapeutin Hedda Rühle zunächst, was sich hinter dem Begriff „Psychotrauma“ verbirgt und wie Psychotraumata entstehen. „Dr. Psych“ und seine Helfer, freundliche Comicfiguren, unterstützen den Leser bei der Orientierung in dem rund 450 Seiten umfassenden Werk. Die Vermittlung komplizierter Sachverhalte geschieht in einer für Laien leicht verständlichen Sprache und mit reichhaltigen Metaphern, die helfen, selbst schwierige Zusammenhänge nachzuvollziehen und im Gedächtnis festzuhalten.

Rühle vertritt die These, dass Borderline kein isoliertes Krankheitsbild ist, sondern eine Summe von Symptomen, die durch mindestens ein oder mehrere Traumata ausgelöst wurden. Ihre Definition ist einleuchtend, denn Erfahrungen wie Vernachlässigung im frühen Kindesalter, sexueller Missbrauch, Abhängigkeiten aller Art lassen sich in unterschiedlichen Kombinationen in beinahe jeder Borderliner-Biografie finden. Es ist ein sehr pragmatischer Ansatz, der es ermöglicht, mit der Behandlung von Traumafolgen zu beginnen, ohne lange in der Bearbeitung von Kindheitserfahrungen zu verharren.

Die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit ist relativ

Als wichtig für die Auflösung von Vorurteilen gegen psychisch Kranke finde ich die Erkenntnis, dass die meisten Menschen im Laufe des Lebens mit kleineren oder größeren Traumata konfrontiert werden. Trennungen, der Tod eines geliebten Menschen, eine schwere Erkrankung – all das und nicht nur die „große Themen“ wie Krieg und Gewalt – sind traumatisch. Der Unterschied zwischen „Kranken“ und „Gesunden“ liegt letztendlich in der Fähigkeit, belastende Erlebnisse in die Biografie zu integrieren, bzw. im Ausmaß an Resilienz – der psychischen Widerstandsfähigkeit – die ein Mensch mitbringt oder sich im Laufe seines Lebens aneignet. Denn das ist Dank der Neuroplastizität des Gehirns immer möglich.

Die ausführliche Beschreibung der therapeutischen Grundsätze und Vorgehensweisen sowie die Anregungen zur Selbsthilfe nach einer Borderline-Diagnose habe ich nicht nur als aufschlussreich empfunden, sondern auch als inspirierend für meine eigene Arbeit.  Immer wieder treffe ich auf Menschen, die mit belastenden Lebenssituationen umgehen müssen. Schreiben ist eine Möglichkeit, sich konstruktiv damit auseinanderzusetzen. Deshalb habe ich mich gefreut, dass in der Borderline-Therapie auch mit dem Medium Schreiben gearbeitet wird.
Gemessen an den Möglichkeiten, die Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben bietet, denke ich jedoch, dass besonders im Bereich der Selbsthilfe noch viele Möglichkeiten ungenutzt sind.

Dr. Psych´s Ratgeber Borderline informiert und berührt gleichermaßen. Durch die lebendige Einbeziehung von Erlebnisberichten und die Illustration mit Zeichnungen von Katja P., die sich auf diese Erlebnisse beziehen, werden die Lesenden gleichermaßen kognitiv wie emotional angesprochen. Ich würde mir wünschen, dass diese Art der Wissensvermittlung auch auf anderen Ebenen der Sozial- und Humanwissenschaften Schule machen würde, denn ich glaube, erst echte Empathie für die Betroffenen führt dazu, Vorurteile abzubauen.

Sandra Maxeiner, Hedda Rühle: Dr. Psych´s Ratgeber Borderline, Zollikon 2018: Jerry Media Verlag, ISBN 978-3952 367 285

KLEINE SÜNDEN, ANHALTENDE WIRKUNG

1. Oktober 2018 | Keine Kommentare

Großartig! Der neue Roman von Wiebke Eden: „Die Schatten eines Jahres“

Einen leichtfüßig erzählten Roman mit Tiefgang möchte ich heute allen Leseratten empfehlen. Ein leises Buch, in dem Spannung, politische Relevanz und schöne Wörter aufeinandertreffen. Ein Buch, das innehalten lässt, auch wenn man es bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand legen will. Es geht um eine eigenwillige Frau, die sich gerne einmischt und dabei die Schattenseiten des „Dabeiseins“ erlebt.

Für Mathilde, Tochter aus gutem Haus mit nationaler Gesinnung, eröffnet sich mit ihrer Einstellung als eine der ersten fünf Stewardessen Deutschlands 1938 ein glanzvolles Leben. Die adretten und gebildeten jungen Damen sind Teil einer ausgeklügelten Imagekampagne für die Innovationskraft des deutschen Ingenieurwesens bei der Entwicklung des Passagierflugverkehrs.
Mathilde liebt die Flüge mit dem „Condor“, einer Maschine, mit deren Flugreichweite die Deutsche Luftfahrtgesellschafft einen vielbeachteten Meilenstein gesetzt hatte. Wenn nach den Präsentationsflügen glanzvolle Empfänge für Gäste aus Politik, Wirtschaft und Journalismus gegeben werden, sind auch die Stewardessen immer dabei. Mathilde genießt es, Teil einer wichtigen Entwicklung sein, darüber hinaus spielen die politischen Veränderungen im Lande für ihr Leben keine Rolle. Dennoch verursachen ihr kleine  Beobachtungen, wie beispielsweise  auf dem Heimweg in der Progromnacht vom 9. November ,  ein mulmiges Gefühl. Doch solche Bilder schiebt sie schnell beiseite.

Auf einem ihrer Flüge lernt sie den Funker Konrad kennen und lieben. Nach ihrer Hochzeit ist zu Mathildes Leidwesen Schluss mit der Fliegerei, denn verheiratete Frauen werden bei der Lufthansa nicht weiterbeschäftigt. So klingt es für sie nach einer spannenden Abwechslung, als Konrad ihr eröffnet, sie könnten zusammen nach Barcelona gehen, wo die Deutsche Luftfahrtgesellschaft ein Tochterunternehmen aufbauen wolle. Er solle sich dort um die Flugsicherung über Funk zu kümmern. Das hinter diesem Job weit mehr steckt, entdeckt Mathilde erst später. Sie langweilt sich als Hausfrau, möchte wieder Teil von etwas Großem sein – und lässt sich als Spionin für Hitlerdeutschland anwerben.

Wie vielen Deutschen gelingt es Mathilde nach dem Krieg, diese Periode ihres Lebens erfolgreich auszublenden. Doch nach der Teilnahme an einer Sitzblockade gegen die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen Pershing 2, wird die herzkranke Achtundsiebzigjährige wegen Landfriedensbruchs verurteil und zu gemeinnütziger Arbeit im Park verdonnert. Das ruft die Presse auf den Plan. Nach anfänglicher Freude über die Aufmerksamkeit, die ihr zu Teil wird, drängen nach und unrühmliche Bilder aus der Vergangenheit zurück in Mathildes Bewusstsein – und mit ihnen Scham und Schuld.

Unangestrengt wechselt die Autorin zwischen den Zeitebenen, die in den Jahren 1939/1940 und 1986/1992 liegen. Wie Puzzlestücke setzt sie Momente aus Mathildes Leben zusammen. Das geschieht in knappen Sätzen, in denen ein fulminanter Wortschatz und eine feine Beobachtungsgabe das Kopfkino der Lesenden mit bunten Bildern und prickelnder Atmosphäre befeuern. Jenseits von Urteilen lernt man die junge wie die alte Mathilde kennen und entwickelt eine Vorstellung dafür, wie leicht es ist, in politisch aufgewühlten Zeiten in etwas hineinzuschlittern, das man später bitter bereut.
Mathilde ist keine überzeugte Nationalsozialistin, im Gegenteil, immer wieder schimmert Empathie für die Opfer des Systems durch. Und doch genießt sie Glanz und Gloria des Dritten Reiches, sowohl als eine der ersten Stewardessen, als auch als Dauergast der opulenten Abendgesellschaften der Deutschen Kolonie im Barcelona des Franco-Faschismus, während der die Spanier hungern und bittere Not erleiden.
Ihr Einsatz in der Friedensbewegung der 1980er und 1990er Jahre ist jedoch weit mehr als Opportunismus oder der Versuch, die alte Schuld abzuarbeiten. „Nie wieder Krieg“, die Forderung der Friedensbewegung ist ihr ein ernsthaftes Anliegen geworden. Wer erlebt hat, was der Krieg anrichtet und aus Menschen macht, hat eine Verantwortung dafür, folgende Generationen vor einer solchen Erfahrung zu schützen. Davon ist die alte Mathilde überzeugt.

Wiebke Eden verbindet Mathildes Biografie meisterhaft mit gut recherchierten Elementen der Zeitgeschichte und schafft es en passant immer wieder, Zusammenhänge aufzuzeigen, die nicht unbedingt präsent sind, wie beispielsweise die Rolle der Deutschen bei der Machtübernahme und -stabilisierung von Spaniens Diktator Franco.

Wieder leben wir in Zeiten der politischen Umbrüche, in einer Zeit, in der ein Rechtsruck in der Gesellschaft unsere Demokratie bedroht.
Wieder ist die Haltung, sich nur um das eigene Wohlergehen zu kümmern, weit verbreitet. Menschen, die Flucht und Vertreibung am eigenen Leibe erlebt haben, zeigen sich hart und ablehnend gegenüber Menschen, die heute in der Hoffnung auf Sicherheit und ein besseres Leben ins Land drängen. Selbst viele Menschen der „Enkelgeneration“ sind heute bereit, neuen Nazis Tür und Tor zu öffnen, um den eigenen Wohlstand zu sichern.

Auf diesem Hintergrund ist „Die Schatten eines Jahres“ nicht nur ein Buch, das man gerne liest und kaum aus der Hand legen kann, sondern auch ein wichtiges Buch. Ich wünsche mir, dass Wiebke Eden viele Leser erreicht und damit auch zum Nachdenken über Parallelen in der Geschichte anregt.

Erschienen ist es im Berliner BüBül-Verlag, ISBN 978-3-9468ß07-26-1

Wer den unabhängigen Kleinverlag unterstützen möchte, kann das Buch auch direkt dort bestellen:  http://www.tanjalanger.de/buebuel/, Email für die Bestellung:
post@tanjalanger.de

VON RATTENBEKÄMPFUNG, ERDBEBEN, CHEMISCHEN KAMPFSTOFFEN, LIEBE UND LEBENSFREUDE BEIM UMGANG MIT UNGEBETENEN GÄSTEN

19. September 2018 | Keine Kommentare

Puzzlestücke aus dem GKS-Schnupperworkshop beim 4. Bundestreffen Eierstockkrebs in München

 

Auf Einladung der Initiatorinnen des 4. Bundestreffen Eierstockkrebs, Andrea Krull und Brita Jung, durften wir am vergangenen Wochenende das umfangreiche Programm dieses beeindruckenden Selbsthilfekongresses mit einer „kleinen Schreibtour“ ergänzen. „Klein“ insofern, als das Programm unserer „normalen“ Schreibtouren komplett durch das medizinische und kreative Programm der Stiftung Eierstockkrebs bestritten wird, während wir Berliner diesmal „nur“ mit drei Programmpunkten von der Partie waren.

Meine Kollegin Susanne Diehm hat in ihrem aktuellen Blogbeitrag über die Veranstaltung insgesamt berichtet, an dieser Stelle möchte ich ein Schlaglicht auf den Kreativteil setzen.

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IN BEWEGUNG UND IN ENTWICKLUNG

22. August 2018 | Keine Kommentare

Alle sieben Jahre gerät das Leben in Bewegung, heißt es bei den Anthroposophen. Ich glaube, da ist was dran, denn gerade gibt es in meinem Leben eine Reihe von Veränderungen und Herausforderungen. Der Zeitrahmen passt. Und wieder einmal bin ich froh, über Ressourcen zu verfügen, die mir helfen, trotz der sprichwörtlichen Bauchschmerzen damit umzugehen. Vermutlich ist es kein Zufall, dass eine lang gehegte Idee gerade jetzt ganz dringend umgesetzt werden möchte: Ich möchte das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben mit sportlichen Aktivitäten verknüpfen.

Auf meiner frisch überarbeiteten Website sind erste Ansätze schon zu sehen. Dennoch wird die Umsetzung in konkrete Angebote noch ein wenig dauern, aber ich bin dran.

Sport und Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben – wie passt das zusammen?
Eigene Erfahrungen haben mich auf diese Idee gebracht, denn immer, wenn mir das Leben über den Kopf zu wachsen scheint, sind Schreiben und Sport die „Geheimwaffen“ die mich wieder ins Gleichgewicht bringen. Oder umgekehrt, Sport und Schreiben, je nachdem.

Schreiben und Bewegung am Morgen für die Struktur
Manchmal ist es die morgendliche Bewegungsroutine, die es mir ermöglicht, den Einstieg ins Journalschreiben zu finden und mich auf den Tag einzustimmen. Sich schreibend in Bewegung zu setzen, erleichtert es, das Wesentliche zu sehen, Prioritäten zu setzen, mir selbst auf die Spur zu kommen. Im Schreibjournal notiere ich, was nötig ist, damit der Tag gelingt. Und was ich dafür tun kann.

An anderen Tagen ist es umgekehrt. Dann schreibe ich zuerst und beschließe: So! Damit du dir selbst beweist, dass du die Power und die Disziplin hast, auch heute allen Herausforderungen zu begegnen, machst du jetzt deine Übungen. Das gibt Struktur bei Mutlosigkeit, depressiven Verstimmungen oder dem Gefühl, dass alles zu viel ist. Kann ich einen Haken hinter drei, vier Übungen machen, ist mein Körper angenehm durchblutet, der Geist wach und frisch für den Tag. Und, by the way, das Gefühl der Disziplin (ja, die braucht man schon, um sich nach dem Aufstehen regelmäßig zu bewegen) macht stolz und bekräftigt das Gefühl „ich schaffe das“. Was auch immer gerade anstehen mag.

Und auch das ist eine Erfahrung: Für viele Fragen, die sich beim morgendlichen Schreiben stellen, gibt es nach der Bewegungseinheit eine Antwort. Oder zumindest den Antrieb, die Alltagshürden gelassener anzugehen. Wie einfach und wie erfüllend es ist, sich selbst auf diese Weise zu motivieren und vor allem: Druck abzubauen, möchte ich gerne anderen Menschen vermitteln.

Gemeinschaftsgefühl und auspowern für die Lebensfreude

 

Die Erfahrung, dass Sport wichtig für die psychische Balance ist, teile ich mit vielen sportlich Aktiven, denn ich bewege mich nicht nur im stillen Kämmerlein. Abgesehen vom gelegentlichen Joggen, Schwimmen oder Radfahren, genieße ich die „schweißtreibende“ Variante der Bewegung mindestens dreimal wöchentlich in Gruppen-Workouts mit meinen „Sporties“. Das ist eine Gruppe von wunderbaren Menschen, die ich ohne unsere gemeinsame Leidenschaft vielleicht nie kennengelernt hätte. Die Altersspanne umfasst mehr als eine Generation, beruflich beackern wir die unterschiedlichsten Felder und doch hat sich eine „Sportfamilie“ entwickelt, die gegenseitig Anteil nimmt an den kleinen und großen Themen des Lebens. Wie das Schreiben in der Gruppe, schafft auch Sport Gemeinschaft. Ein besonders schönes Teamerlebnis war die Teilnahme an der Xletics vor zwei Jahren: dabei ging es nicht um Zeit und ums Gewinnen, sondern darum, als Team gemeinsam durchs Ziel zu laufen. Wir haben es geschafft.

Da geht noch was…

Wenn Sport und Schreiben sich gegenseitig bereichern, kann aus „auspowern“ und „freischreiben“ vielleicht noch mehr werden. Etwas, was die Lebensfreude nachhaltig steigert und  über die gesundheitlichen Effekte von Schreiben und Sport hinaus gehen. Für den Sport werden neue Erkenntnisse dazu von der Neurowissenschaftlerin Dr. Manuela Macedonia in ihrem  Buch „Beweg Dich!“ beschrieben. Zur Wirkung des Schreibens gibt es inzwischen eine Vielzahl von Studien und Büchern.  Aber mein Gefühl sagt mir „da geht noch was“. Auf jeden Fall werden viele kreative Schreibimpulse im Pogrammpaket sein.  Manchmal muss man sich eben in Bewegung setzen um herauszufinden, was passiert.
Ich freue mich darauf und hoffe auf schreib- und sportbegeisterte Mitstreiter*innen!

Wer Lust hat, von Anfang an dabei zu sein, kann sich schon auf die Interessentenliste setzen. Einfach kurz Interesse anmelden unter schreibzeit@michaudpr.de

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PRALLE TAGE IM MAI

18. Mai 2018 | 4 Kommentare

Ein Füllhorn an Eindrücken und Entwicklungen – so fühlte sich der Mai in diesem Jahr für mich an. Eigentlich  füllte sich das Horn schon im April mit Erscheinen unseres Übungsbuchs für Krebspatienten „Mit Schreiben zur Lebenskraft“. Immer wieder schön, so ein frisch geschlüpftes „Baby“ in den Händen zu halten!

Initiiert von Dr. Adak Pirmorady, Ärztin, angehender Psychosomatikerin und Illustratorin unseres Buches, fand am 8. Mai mit der Gründung derEuropäischen Künstlergilde für Medizin und Kultur“, die Geburtsstunde für ein richtungsweisendes Projekt statt.

Die AkteurInnen des frisch gegründeten Vereins möchten sich für eine Zusammenführung von Medizin und Kultur einsetzen, den interdisziplinären Austausch fördern sowie sich für den verstärkten Einsatz kreativer Therapien einsetzen.

„Kreativität ist eine zwingende Basis für eine flexible sinnreiche Kommunikation, ebenso für eine Sensitivität in der zwischenmenschlichen Beziehung. Kreativität kann ebenfalls als Zugang zum Unbewussten verstanden werden und ist somit eine Notwendigkeit in der ärztlichen Behandlung“, heißt es im Positionspapier der Künstlergilde.

Bereits in Planung  sind  Vorträge und Veranstaltungen, die dazu beitragen sollen, die Kluft zwischen der technologisch hoch entwickelten Medizin und dem menschlichen Bedürfnis nach empathischer Zuwendung und Kommunikation   zu verringern. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Förderung der Künstlerischen Therapien.

Den Nutzen Künstlerische Therapien sichtbarer machen

Wie beim Schreiben finden Menschen auch beim Malen, Singen, Theaterspielen und anderen kreativen Aktivitäten einen heilsamen Zugang zu sich und ihren Gefühlen. In einer Gruppe entwickeln sich beim gemeinsamen Tun tiefgehende Kommunikationsprozesse, Solidarität und Lebensfreude – Aspekte, die das Immunsystem erwiesener Maßen stärken. Die Entdeckung persönlicher Ressourcen, verbunden mit dem künstlerischen Selbstausdruck, nutzt aber nicht nur Patienten. Auch das medizinische Fachpersonal profitiert von den positiven Energien, die durch kreative Prozesse ausgelöst werden. Gesundheitsförderndes Kreatives Schreiben (GKS) beispielsweise kann Burnoutgefahren vorbeugen. Daher freuen wir uns als Team SUDIJUMI besonders über die Ziele des Vereins.

Mit ihrer vielseitigen Erfahrung aus ihrem „ersten Berufsleben“ als Kommunikationsmanagerin, unterstützt meine Teampartnerin Susanne Diehm im Vorstand das Team als Schriftführerin  bei der Konzeption öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten .  Zum Vorstand gehören neben der Vorsitzenden Dr. Adak Pirmorady  und Susanne Diehm die Ärztin und angehende Psychosomatikerin Dr. Nike Spinnler sowie die freiberufliche Designerin Katrin Laville.

Medical Humanities? Spannend!

Ein Highlight war für mich an diesem Abend der Vortrag von Professor Dr. Heinz-Peter Schmiedebach zum Thema „Medical Humanities“. Dabei handelt es sich um einem ganzheitlichen Ansatz, der Geschichte und Gegenwart der Medizin unter kulturellen, ökonomischen, technischen, religiösen und politischen Aspekten betrachtet. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen Krankheit und Genesung aufgrund ihrer spezifischen Lebenssituation verstehen und bewerten. Für Ärzte ist dieses Wissen insofern von Bedeutung, als es sie dabei unterstützen kann, den passenden Zugang zu ihren Patienten zu finden um sie dadurch bei der Aktivierung der Selbstheilungskräfte zu unterstützen. Professor Schmiedebach, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, hat an der Charité die bundesweit erste Professur für Medical Humanities eingerichtet.

Welteierstockkrebstag 2018

Gendarmenmarkt 1

Kundgebung gegen Eierstockkrebs und für Lebensfreude auf dem Gendarmenmarkt

Gendarmenmarkt 2Vortrag

Wenige Tage später, am 13. Mai, durfte ich mit einem Vortrag über das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben und unsere Arbeit im Team SUDIJUMI einen kleinen Beitrag zu dieser außergewöhnlichen Muttertags-Veranstaltung beitragen. Ausgerichtet wurde sie von der Deutschen Stiftung Eierstockkrebs.

Der Termin ist kein Zufall. Prof. Dr. Jalid Sehouli, Initiator dieser wunderbaren Kombination aus verständlichen Fach- und Informationsvorträgen zum Stand der Forschung  sowie zu kreativen Therapieansätzen, hat ihn gewählt, weil gerade an diesem Tag der Blick auf Frauen – und nicht nur auf Mütter! – gerichtet ist. Rund 8000 Frauen erkranken jährlich an Eierstockkrebs. Leider wird er häufig erst in einem späten Stadium entdeckt, weil er bei den herkömmlichen Vorsorgeuntersuchungen unauffällig bleibt. Im öffentlichen Bewusstsein ist er daher viel zu wenig präsent. Im Frühstadium bleiben die Symptome selbst erfahrenen Ärzten  verborgen. Die jährliche Veranstaltung  für diese Krebserkrankung sensibilisieren.

150 Einsendungen zum Literaturwettbewerb

In diesem Jahr hatte die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs einen Literaturwettbewerb für Patientinnen, Angehörige und medizinisches Personal ausgelobt. Entstanden sind Texte, die Lebensfreude und Lebensmut mit und trotz der Erkrankung versprühen und deutlich machen, dass Krankheit nur ein Aspekt der menschlichen Existenz ist. Die Auswahl ist der prominent besetzten Jury nicht leicht gefallen!

In der Rubrik „Gedichte“ siegte Julia Schwertfeger mit „Schweres Gepäck“,  gefolgt von Regina Levanic mit „Laute Stille“ sowie Beke Rienitz mit „Auf den Schaumkronen sitzen Metastasen“. Platz 1 in der Rubrik „Kurzgeschichte“ fiel auf Birgit Grubers Geschichte „Passen Sie Bloß auf, dass mir nichts passiert“, gefolgt von „Die Andere“ von Elli Bunt und „Kein fest ohne Eingemachtes oder Experiment mit einem Krebsgeschwür“ von Sylvia Czerner.

Der Preis für die „Besondere Geschichte“ ging an Manfred Kiefer. „Ohne Sie“ , sein Beitrag, ist der berührende Text eines Angehörigen, der um Worte ringt.

Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass eine Erstplatzierte aus dem Kreise unserer Seminarteilnehmerinnen kam. Gelohnt hat sich die Wettbewerbsteilnahme jedoch für alle, die einen Beitrag eingeschickt haben. In einer Anthologie der Stiftung werden auch jene Teilnehmertexte veröffentlicht, die es nicht aufs Siegertreppchen geschafft haben.

Preisträger und Juroren

Erfolgreiche Wettbewerbsteilnehmerinnen – leider konnten nicht alle PreisträgerInnen nach Berlin kommen. Auch die Jury bestand aus einer Abordnung , die u.a. mit Wolfgang Kohlhase, Patricia Riekel, Dr. Jutta Vincent und Dr. Elke Leonard hochkarätig besetzt war.

Das nächste spannende Ereignis ist der Auftakt der BRCA-Tour am 18. Juni im Humboldtforum, siehe Flyer. Für Team Sudijumi freut sich schon darauf, GKS in Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen zu dürfen.

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Mit Schreiben zur Lebenskraft

22. April 2018

Frisch aus dem Urlaub zurück und ein dickes Buchpaket liegt auf dem Schreibtisch – Freude pur!!!

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