Jutta Michaud

Blog

Schreiben am Morgen gegen Kummer und Sorgen

4. Mai 2020 | Keine Kommentare

Unter dem Motto „Das Gute im Anders“ trafen sich vergangene Woche täglich zwischen 7.30 und 8.00 Uhr sieben schreibbegeisterte Frauen, um sich inspiriert von Schreibimpulsen mit der Frage zu beschäftigen, welche Erkenntnisse und positiven Erinnerungen für sie persönlich aus der Phase der Covid19-Kontaktsperre bleiben werden.

Neubewertungen und Entwicklungsperspektiven
„Das Gute im Anders“ hat sich gleich mehrfach gezeigt. Zum einen war da der Ansatz, etwas anders auf die Herausforderungen zu schauen, die durch die Pandemie über uns hereingebrochen sind. Und siehe da, es wurden neben beglückenden Momenten auch Umdenkungsprozesse, Entwicklungsperspektiven und Stärken entdeckt!

Zum anderen beweist der digitale Kurzversuch, dass ein Paradigma des Journalings nicht in Stein gemeißelt sein muss. Die gängige Lehrmeinung besagt, das morgendliche Schreiben sei am wirkungsvollsten, wenn man es nur für sich allein praktiziert. Doch auch eine  Verabredung zum gemeinsamen Scheiben kann dabei helfen, Klarheit zu schaffen und Erkenntnisse zu gewinnen. Auch können erste Schritte in Richtung neuer Gewohnheiten gesetzt werden. Empathisches Miteinander und ein morgendliches Stimmungshoch motivieren dazu, ungewohnte Pfade zu erforschen.

Mit einem Schreibimpuls kommt man leichter in die Gänge, wenn man es nicht gewohnt ist, den Tag mit dem Festhalten frei fließender Gedanken zu beginnen. Diese Leichtigkeit, mit der auf diese Weise ein Text entsteht  und die Freude, beim Vorlesen auf einen Resonanzboden zu treffen, ermutigt dazu, im Laufe des Tages weitere Gedanken festzuhalten. Diese „Fortsetzungen“ können dann ganz privat bleiben und Schlaglichter auf Inhalte werfen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das morgendliche Schreiben motiviert dazu, dem eigenen Tempo weiter „schreibdenkend“ zu folgen und dabei jene Schreibmethoden zu nutzen, mit denen auf der Kurzstrecke en passant  Erfahrungen gesammelt wurden.

Rituale nutzen und Interesse spüren
Als besonders wertvoll erwies sich unser Selbstbefragungs-Ritual am Ende jeder Schreibsession: Was wünsche ich mir für den Tag und was kann ich zur Wunscherfüllung beitragen? Das ist eine Technik, die ich für mich beim Journaling entwickelt habe und schon lange mit positiven Effekten praktiziere. Daher freut es mich besonders, dass sie auch in einer Gruppe funktioniert. Manchmal sind es Worte aus fremden Texten, die mit in den Tag genommen werden., um die Aufmerksamkeit zu schärfen. Manchmal ergibt sich ein Effekt aus empathischen Nachfragen am Folgetag. Für die befragte Person ist gefühltes Interesse erstens eine  wertschätzende Erfahrung. Zweitens resultiert daraus, was Lerntheoretiker als „positive Verstärkung“ bezeichnen: Positive Erfahrungen begünstigen ein wiederholtes Auftreten neuer Verhaltensweisen und sorgen so für Wohlgefühl.

Zwei Beispiele:
„Ich wünsche mir, heute nicht wieder zum punching ball meiner Kunden zu werden“, schrieb eine Teilnehmerin. Am nächsten Morgen berichtete sie über die freundlich-souveräne Abwehr einer unverschämten vorgetragenen Forderung. Ihr Glücksgefühl stand greifbar im virtuellen Raum.

Minimale Schreibinterventionen  können nicht nur ermutigen, sondern auch zur Auseinandersetzung mit Alltagsängsten beitragen.

Das zeigte sich bei einem Text, indem die Verbindung zwischen dem Tragen einer Atemschutzmaske und einem Trauma zur Sprache kam. Sich der Erinnerung zu stellen, Zusammenhänge entdeckt zu haben, mache ihr Mut, sich ihren Gefühlen zu stellen, schrieb die Teilnehmerin. Dass für solche Momente Hilfestellung angeboten und auch geleistet werden muss, versteht sich von selbst.

Spannend war auch ein Ergebnis des ersten Schreibtages: Auf die eine oder andere Weise formulierte jede Schreiberin die Erfahrung, dass die Zeit der Ausgangssperre für sie persönlich ein Weg zu mehr Gelassenheit und Ruhe war. Mit dem Wegfall des üblichen „Getriebenseins“ stellte sich ein angenehmer Abstand ein, der einen anderen Blick auf das Leben ermöglichte. Wir alle wünschen uns, davon etwas mit in die coronafreie Zukunft nehmen zu können.

Ausblick
Die letzte Woche hat michermutigt, ab der 20. KW ein neues Schreibangebot zu etablieren. Ein Morgenseiten-Shorty, in Anlehnung an die Morgenseiten nach Julia Cameron. Inhaltlich werden sich die Schreibimpulse hin und wieder mit Themen überschneiden, wie Cameron sie in ihrem Klassiker  „Der Weg des Künstlers“ beschrieben hat – allerdings angepasst an eine völlig andere Ausgangssituation. Statt eine Seitenvorgabe einzuhalten, wird auf Zeit geschrieben, wie in unserem Experiment 10 Minuten lang. Danach wird in der Gruppe vorgelesen und das Ritual genutzt, das weiter oben für das Schreibexperiment beschrieben wurde.

Wer gerne wissen möchte, was die Schreiberinnen aus der Corona-Zeit mitgenommen haben, findet hier Textbeispiele aus dem Schreibexperiment
Herzlichen Dank an alle, die ihre Texte zur Verfügung gestellt haben.

Schreibimpuls:  Ein schönes Erlebnis in Corona Zeiten
Gespannt sitzt sie mit ihrem Mundschutz an einem der Tische in der Sonne. Sie wartet und ihre Gedanken kreisen: Ob ihre Mutter sich verändert hat? Man sieht ihr immer gleich an, wenn es ihr nicht gut geht. Ob sie weinen wird, so wie beim letzten Besuch, als sie nur hinter der Fensterscheibe in ihrem Zimmer im ersten Stock sitzen und winken konnte? Das war so herzzerreißend, dass selbst ihr sonst immer so betont sachlich auftretender Mann, der mitgekommen war, sie wegzog: „Komm, wir gehen, das ist ja furchtbar.“ Doch heute kann sie sie wieder von Angesicht zu Angesicht sehen. Eine gnädige Ausnahmeregelung ermöglicht dies. Sie ist nicht dement und daher darf sie mit offizieller Erlaubnis der Heimleitung ihre Tochter hinten im Garten treffen, natürlich mit Abstand und Mundschutz. Es muss hinten im Garten sein, wo es kaum einer sieht. Andere Bewohner haben sich schon beschwert. Da öffnet sich endlich die automatische Tür, eine Pflegerin schiebt ihre Mutter in ihrem Rollstuhl in die Sonne. Und sie lächelt.                                                                                               Barbara

Schreibimpuls: Wer oder was hat dich in den letzten Wochen beeindruckt?
Hmmm, ich weiß gar nicht wer oder was mich in den letzten Wochen beeindruckt hat. Derzeit sehe ich im Alltag immer nur dieselben Personen. Einige von ihnen haben sich wirklich schnell und gut entwickelt und gelernt, wie der Service Bereich in meinem Job funktioniert, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes machen. Auch hat mich Mama beeindruckt, indem sie ein richtiger Technik Geek geworden ist und trotz kleiner Komplikationen am Ball bleibt und immer wieder neue Einstellungstools managed.
Ich bin beeindruckt bzw. überrascht von mir selbst, zumindest nehme ich das so wahr, dass ich auf freundliche Art erbosten Mitgliedern Parole biete, wenn diese versuchen ihren Corona Frust an mir auszulassen. Ich bin beeindruckt von meiner Schwester, die festgestellt hat, dass sie zurzeit alleine glücklicher ist und nun ihr Ding macht. Auch bin ich beeindruckt von meinem Bruder, dass die Wohnung nicht aussieht wie ein Schlachtfeld, sondern dass er seine Zeit allein zuhause ernst nimmt und den Haushalt macht. Es sind ganz schön viele Leute, die mich beeindrucken. Alle scheinen jedoch eine Gemeinsamkeit zu teilen: Den Willen, sich weiter zu entwickeln und neues anzunehmen. Aus der eigenen Komfortzone auszutreten ist schwer.  Alyse

Wer oder Was hat mich letzte Woche beeindruckt?
Ich kann in meiner Wohnung sitzen und betrauern, dass ich nicht, wie gewohnt Menschen zum Wein treffen kann. Wann, wo und wie viele ich möchte. Natürlich möchte ich das, dass das momentan nicht möglich ist, betrachte ich als vorübergehende Unbequemlichkeit.

Ich kann aber auch in meiner Wohnung leben und mir denken, welche Möglichkeiten gibt es noch, um mit Menschen einen Wein zu trinken. Interessanterweise finden sich da eine ganz Menge. Ganz bestimmt anders, als ich das bisher kannte. Vielleicht besser, vielleicht komplizierter, vielleicht nerviger. In jedem Fall anders.
Diese grundlegend unterschiedliche Betrachtungsweise einer einzigen Aktion führte mich dann in Gedanken zu vielen Situationen, Aktionen und Erlebnissen.
Die Veränderung des Standpunktes verändert die Einstellung zum Leben. Letztlich auch die Kreativität und das gesamte Wohlbefinden. Man könnte also beinahe sagen, der Standpunkt bestimmt alles. Dieser sehr kurze Exkurs zu einem einzigen Wort, kann alles verändern. Und das hat mich sehr beeindruckt. Sabine

Meine/unsere Kinder haben mich am meisten beeindruckt:  unsere beiden Jüngsten, die uns in unserer Corona-WG vorgemacht haben, wie man/frau flexibel und meistens gut gelaunt auf neue Herausforderungen reagiert
-auch darauf, wieder „ Kind“ bei den Eltern zu sein – wenn auch längst (bzw. fast längst) erwachsen 
– die lebendige Kreativität sich auch immer was Neues zum Sporteln @ Home zu überlegen
– Ruhe & Mittagsschlaf  UND  Kraft & Energie
– und das, obwohl diese Corona-WG für alle eine enorme Umstellung war, ein ganz privates SozioExperiment sozusagen 
Nähe & Distanz gelingen ganz gut —— und schließen sich gar nicht so aus. 

Ist eine sehr lebendige Mischung – von der ich an dieser Stelle und für die Zukunft gerne auch wieder ein bisschen mehr hätte 😊
Oder aber :  Ich übe mich weiter in der gelassenen Gewissheit, dass alles auch `n Tacken weniger aufregend und wild und trotzdem schön lebendig sein kann! `Ne große Beruhigung ist das in beunruhigenden Zeiten.                  Margret

Schreibimpuls: Konstellationsgedicht zu Freundschaft und Fürsorge

Freundschaft
Freundschaft und Fürsorge
Fürsorge
Fürsorge für meinen Dad
Fürsorge, Freundschaft, mein Dad

Zusammen praktische Dinge erledigen Helfen, er mir, ich ihm

Mein Dad braucht mich
Ist allein und war immer da
Sein Leben lang für mich
Jetzt bin ich dran Zurückzugeben, gern geben, geben

Geben können, sollen, wollen In Freundschaft, mit Fürsorge für meinen Dad
Ist manchmal anstrengend, aber auch wohltuend für uns beide.
In Liebe                                                                                      Martina

Freundschaft 

Freundschaft und Fürsorge
Fürsorge
Fürsorge ist Leben
Fürsorge und Freundschaft ist Leben

Ein Spaziergang zum Hören und Sehen
und ein friedlicher See
Ein friedlicher See
und ein brütendes Gänsepaar
Ein Gänsepaar für die Zukunft 

Ein Gänsepaar für die Zukunft 
für Fürsorge und Freundschaft ist Leben
an einem friedlichen See
ein Spaziergang zum Hören und Sehen
Margret

Schreibimpuls:Wenn nur noch lächelnde Augen über Schutzmasken blitzen

Augen haben eine große Anziehungskraft – Spiegel der Seele, so heißt  es. Menschen verlieben sich über die Augen und jetzt womöglich stärker als bisher. Leuchtende Augen, warme Augen, traurige Augen. Blaue Augen, braune Augen, graue Augen, grüne Augen, grüngraue Augen, grünbraune Augen, türkisfarbene Augen – es ist ein Maskenball aus Farben.
Ein Maskenball auf der Straße, der venezianische Karneval allerorten, das macht das Kennenlernen spannend, (…) die schönen Augen ziehen in den Bann – aber dann? Die Maske fällt und – die Nase ist lang, der Mund zu breit, die Zähne schief?

Und im Sommer? Wenn die Sonnenbrillen die Augen verdecken?
                                                                                                         Wiebke

Ja, das ist `ne Frage….: Was können lächelnde Augen bewirken, wenn die restlichen Lächelvermittler unsichtbar hinter der Maske verschwinden?
Lächelvermittler? Was ist das denn für ein Wort? Na, ja – eins was Mundwinkel, Wangen ; eigentlich ein 3/4 Gesicht beschreiben soll. All die kleinen, feinen Anzeichen, aus denen ich erkenne, ob mir mein Gegenüber offen und freundlich gesinnt ist – nämlich lächelnd!

Das ist jetzt die Herausforderung für meine Augen- sie sollen diese Aufgabe ganz alleine übernehmen! Für mich „ hinter der Maske“ ein wichtiges Ziel- schaffe ich das ? Ein Lächeln nur mit den Augen zu transportieren …..!
Für mich „ vor der Maske“ – kann ich bei dem/ den Anderen ein Lächeln erkennen?

Dazu fällt mir eine schöne Familiengeschichte ein (die sich vor ca. 60 Jahren abgespielt hat) :
Meine Mutter, schimpfend ihren 7jährigen Zwillingsjungs gegenüber – der Eine fängt plötzlich an zu grinsen- und auf die verwundert ( leicht erboste ) Frage unserer Mutter, was es denn da jetzt zu grinsen gäbe, kam die entwaffnend schöne Antwort:
ja, ABER , mit den Augen tust du lachen!

Dank der Schreibaufgabe eine schöne Erinnerung und die nehme ich mit als Ermutigung in den heutigen Tag und in die nächste Zeit.
Margret 

Es klingelt unverhofft mitten in die Stille meiner dahin schleichenden Bürozeit hinein. Ich lasse den Bildschirm freudig links liegen und eile zur Tür. Bestellt habe ich nichts und niemanden. Kein Päckchen keinen Patienten. Wer kann es sein?

Da steht meine verloren geglaubte Borderline Patientin nun mit aubergin-farbenen Haaren. War sie das letzte Mal nicht noch Marilyn-Monroe-Blond gewesen? Ihre Gesichtszüge leuchten hell in der Frühlingssonne. Die Patientin trägt keine Maske. An ihrer Seite, ihre Sozialarbeiterin. Von der Sozialarbeiterin hat mir die Patientin während des ersten Sprechstundenbesuches nichts erzählt. Warum hat sie sie also heute mitgebracht? Die Patientin stellt ihre Begleitung souverän vor.

Ich blicke in ein fremdes Augenpaar, das aufmerksam über den Rand einer medizinischen Schutzmaske schaut. Der wässrige Blick schwimmt über dem verhüllenden Blau. Schenkt mir die Sozialarbeiterin gerade ein grüßendes Lächeln? Ich kann es nicht sicher sagen. Gesichter mit Masken sind Neuland für mich. 
Ihre Haltung wirkt etwas elanlos. Die Sozialarbeiterin überlässt ihrem erwachsenen Schützling gekonnt die Gesprächsführung und wartet im Hintergrund ab. Wahrscheinlich ist sie schon länger im Geschäft und weiß, was sie tut.
Meine Patientin kommt schnurstracks zur Sache. Sie hätte gerne einen neuen Termin für eine nächste Therapiestunde. Dann folgt ein lückenloses Alibi dafür, dass sie ihre beiden letzten Termine nicht wahr-nehmen konnte und auch eine telefonische Absage für sie unmöglich zu realisieren war: Sie sei verhindert gewesen und habe über beide Ohren in unaufschiebbaren Verpflichtungen festgesteckt. Ihre Mutter sei plötzlich verstorben. Hier also der freisprechende Paukenschlag und Schlussakkord ihrer Rede.
Die Sozialarbeiterin blickt wissend über ihre Schutzmaske hinweg. Sie steht stumm dafür ein, dass ihr Schützling die Wahrheit spricht und stärkt ihr den Rücken. Vielleicht hat die Patientin sie deshalb mitgebracht?
Die Patientin blickt mir erwartungsvoll ins Gesicht. Ich sammele mich und wäge ab: Sie weiß vermutlich, wie Therapeuten und Sozialarbeiter ticken, denn schließlich ist die Patientin im Heim aufgewachsen. Das hat sie mir bereits erzählt.  Und sie hat wenig Erfahrung mit Verlässlichkeit und Verantwortungsübernahme in ihrer Kindheit gemacht, sondern sie ist Kummer und Chaos gewohnt. Solche Menschen neigen dazu ihre Mitmenschen auszutesten und die Grenzen ihres Gegenübers zu strapazieren. Ich werde also weiter mit ausfallenden Terminen und damit mit finanziellen Einbußen rechnen müssen, wenn ich die Patientin in meine Praxis aufnehme.

Doch soll ich die Patientin hier unter den Augen der Sozialarbeiterin meine Einschätzung mitteilen und sie unverrichteter Dinge fortschicken? Weil es mir wenig verlockend erscheint, vergeblich auf sie zu warten, so dass dabei über das Jahr schließlich eine Handvoll an Terminen herauskommen, die zu spärlich sind, um der Patientin zu helfen. Von einer Kostendeckung für meine Arbeit ganz zu schweigen….
Ich zögere: Denn eine Türschwelle ist kein guter Ort für Konfrontation und Körbe. Schon gar nicht für eine Patientin in dieser Situation. Also kritzele ich einen neuen Termin auf einen Zettel. Dabei rutsche ich versehentlich ins „Du“, vielleicht weil ich die Patientin nun nicht mehr ganz als erwachsene Frau wahrnehme, in Anwesenheit ihrer Begleitung. Das ist nicht fair und ich entschuldige mich.

Aber die Augen der Patientin aber blitzen amüsiert. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Sie bedenkt sie mich mit einem großzügigen Lächeln und sagt lässig: „Waren wir nicht ohnehin schon beim Du?“  Dann grüßt sie zum Abschied und entschwindet mit federnden Schritten.

Die Patientin hat den Termin in der Tasche. Sie hat ihre Stärken und ihren Charme. Auch maskierte Schatten vermögen viel zu bewirken. Durch anteilnehmende Anwesenheit allein. Es gibt eine neue Vieldeutigkeit auf den Straßen, die durch Verhüllung, das ans Licht bringt, was in uns schlummert. Verändert also die Pandemie gerade die Welt?

                                                                                                            Saskia


Mit Pilates gegen Technikangst. Wie Corona zu neuen Erfahrungen ermutigen kann

10. April 2020 | Kommentare deaktiviert für Mit Pilates gegen Technikangst. Wie Corona zu neuen Erfahrungen ermutigen kann

Jenseits trauriger Verluste, Existenzängsten und düsteren Zukunftsaussichten, hat Corona auch viel Positives hervorgebracht: Hilfsbereitschaft unter Nachbarn und völlig Fremden, ein Plus an direkt wahrnehmbarer Kreativität, Entdeckungen auch jenseits von Anstrengung und Stress, die sich aus Homeoffice und Homeschooling ergeben. Und endlich wird auch einmal die Arbeit jener gewürdigt, die mit und am Menschen arbeiten! Das war schon lange überfällig und ich hoffe, nach der Krise wird es nicht in Vergessenheit geraten, sondern sich in besserer Bezahlung und einem kräftigen Imageaufschwung auszahlen!
  
Es ist spannend zu beobachten, wie aus der Krise heraus Neues entsteht. Wie Menschen Existenz- und andere Ängste überwinden und sich erlauben, Dinge einfach auszuprobieren. Corona ist eine Chance, Selbsthilfekompetenzen zu entdecken und – so verrückt es gerade in diesem Kontext klingen mag – auch die Erfahrung zu machen, dem Leben nicht hilflos ausgeliefert zu sein, solange wir gesund sind. Wobei Letzteres voraussetzt, dass wir und andere uns an die Regeln halten.

Eine spannende Erfahrung
Corona hat mir geholfen, mich gleich in doppelter Hinsicht mit meiner Technikangst auseinanderzusetzen. Mehr sogar: Mich ein großes Stück davon zu befreien. Seit Ewigkeiten fühlte ich mich auf diesem Gebiet überfordert und hielt  es mit der Technik genau so, wie Menschen mit Ängsten es gemeinhin tun. Ich vermied Situationen, in denen ich mich damit beschäftigen musste. Und nun – tata! – habe ich es innerhalb von wenigen Tagen geschafft, mich in Zoom einzuarbeiten und alle Ängste und Vorurteile gegenüber Online-Seminaren hinter mir zu lassen! Klar, das ist nur ein erster Schritt, aber er geht in die richtige Richtung und ermutigt, weitere Möglichkeiten auszuloten.

Wie es dazu kam?
Während meines morgendlichen Pilates-Rituals  kam mir die Idee, dem weit verbreiteten Homeoffice-Blues aktiv etwas entgegenzusetzen. Eine Freundin machte mich mit Zoom bekannt, erklärte, schickte Links zu Tutorials und ich stellte erstaunt fest, wie einfach es sein kann, eine Idee mit technischer Unterstützung ins Laufen zu bekommen und anderen Menschen eine Freude zu bereiten.
Inzwischen kommen FreundInnen aus unterschiedlichen Landesteilen zusammen und haben am Abend Spaß miteinander. Unsere Gruppe ist mal größer, mal kleiner und manchmal treffen wir uns nur zu zweit. Es gibt keine Verpflichtungen, nur die Freude zählt. Vor- und nachher wird natürlich auch gequatscht, gekichert oder über ernsthafte Themen geredet. Kurz: Es ist beinahe wie ein Treffen mit Freunden unter normalen Bedingungen.

So habe ich nicht nur ein gutes Stück meiner Berührungsängste mit der Technik abgebaut, sondern wieder einmal am eigenen Leib erfahren, was ich in meinem Kombikursen mit Schreiben und Pilates vermittle. Wenn es um die Auseinandersetzung mit belastenden Themen geht, ist Pilates die perfekte Vorübung!

Praxistransfer: Alle meine Schreibangebote gibt es jetzt auch online!
Inzwischen habe ich auch meine ersten Online e-Coachings hinter mir. Meine Sorge, Intensität und persönliche Wärme würden fehlen, wenn ein digitales Medium zwischen die direkte Kommunikation geschaltet ist, hat sich in Luft ausgelöst.
Auch in die Konzeption von Schreibimpulsen für mein neues Programm zum Umgang mit Ängsten sind diese Erfahrungen eingegangen. Deutlich profitiert habe ich dabei  von den therapeutischen Inputs, die ich während meiner Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie sammeln durfte. Ich freue mich schon sehr darauf, neue Tools zur Selbsthilfe weitergeben zu können! Bangemachen gilt nicht ermöglicht eine kreative Auseinandersetzung mit individuellen Angstthemen und bietet zusätzlich Einblicke in Mechanismen, die bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Ängsten wirken.
Intensive Einzelcoachings via Zoom sind ab sofort möglich, Gruppenangebote ab drei Teilnehmer*innen. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme unter jumi@schreizeit-entwickelt.de!

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Die Melodie eines Lebens

3. März 2020 | Kommentare deaktiviert für Die Melodie eines Lebens

Auf Lydias Besprechung von „Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft“ aus der letzten Woche, folgt heute ein berührender Text, mit dem sie sich mit der veränderten Lebenssituation nach ihrer Erkrankung auseinandersetzt.


Eine Melodie des Lebens, leise, melancholisch, dann wieder kräftig und hoffnungsfroh. Wandlungsvoll, wie eine Symphonie von Gustav Mahler.
Lydia würde sich freuen, Menschen mit schweren Erkrankungen mit ihrem Text zu inspirieren. Zum Schreiben, Musizieren und allem, was die Seele erfreut. Nur Mut, auch Lydia hat ihre Schreibstimme erst durch ihre Schreibversuche entdeckt. Dieser Beitrag markiert einen weiteren Schritt: sie hat den „Brief an meinen Körper“ bei einem Schreibwettbewerb eingereicht. Meine Daumen sind ganz fest für einen Preis gedrückt!

BRIEF AN MEINEN KÖRPER

Hallo Körper,

ich bin es wieder, die Seele. Nachdem du mich gezwungen hast, mit dir in Kontakt zu treten und auch in Kontakt zu bleiben, möchte ich heute folgendes Thema mit dir besprechen:

Die Melodie meines Lebens

Ich weiß, es war falsch dich zu ignorieren. Ich weiß, es war falsch die Melodie auf dem Klavier des Lebens ganz allein zu spielen. Ich habe diese Aufgabe einfach so gern erfüllt, dass ich dein Wehklagen nicht vernommen habe. Ich war so abgelenkt, so konzentriert, so voller Ehrgeiz. Es hat Spaß gemacht zu spielen, ich war so glücklich, dass ich um mich herum alles vergessen habe. Ich dachte alles läuft gut, ich dachte ich kann es für uns beide erledigen und alle sind zufrieden.

Du hast mir auf deine Art gezeigt, dass wir zusammen besser funktionieren. Du hast mir gezeigt, wer tatsächlich der Stärkere ist von uns beiden. Ich habe es auch wirklich verstanden. Vielleicht kann ich mich sogar mit der Zeit daran gewöhnen, nun jederzeit im Duett zu spielen, dir vielleicht auch einmal den Vorrang zu lassen, dir einen kurzen Soloauftritt von Herzen zu gönnen.

Womit ich noch nicht so richtig zurechtkomme, ist folgendes: Du hast das Klavier umgestimmt – ein anderer Klang, eine andere Lautstärke, eine andere Melodie. Die Töne klingen einfach so anders als früher.

Mit der Zeit werde ich damit zurechtkommen. Daran glaube ich ganz fest.

Doch ich verstehe nicht, warum du einige Tasten zerstören musstest. So demoliert, dass sie nicht mehr zu reparieren sind. So viele herrliche Melodien sind nun für immer dahin! Ja, sicher kann man andere Melodien finden, das werden wir auch. Aber wie oft sitze ich da und vermisse die Leichtigkeit vergangener Tage. Die Unbeschwertheit der Melodie meines Lebens. Es hörte sich allzeit so fröhlich an, so laute, anregende und vor Kraft strotzende Stücke!

Die neue Melodie, unser Duett, welches leiser klingt, dumpfer, und immer noch fremd, ich werde mich damit abfinden. Doch vermisse ich den alten Klang.

Und doch weiß ich auch, ganz tief in meinem Inneren, warum du es tun musstest. Du kennst mich einfach zu gut. Du kennst mich am besten. Du weißt, hätte sich die Situation wieder normalisiert, hätte ich das Klavier erneut an mich gerissen, ohne Rücksicht auf dich zu nehmen.

Nun, mit den defekten Tasten, zwingst du mich im Duett zu spielen, zwingst du mich dazu, mich mit dir zu arrangieren, du zwingst mich dazu, dich als gleichwertigen Partner, im Spiel der Melodie meines Lebens, wahrzunehmen.

Wir werden zusammen noch Großes erreichen. Du bist nicht nachtragend, irgendwann werde ich den Klang früherer Melodien nicht mehr ganz so schmerzlich vermissen, es werden Erinnerungen sein. Wunderschöne Erinnerungen, ich werde dankbar sein, dass ich sie hören durfte. Lass mich noch ein bisschen trauern, ich muss sie verabschieden, um mich danach voll auf dich, auf das neue Kapitel, auf die neue Melodie, einlassen zu können.

Ich schreibe dir bald wieder, deine Seele

Schreiben hilft! Feedback zu einem Zufallsfund

22. Februar 2020 | Kommentare deaktiviert für Schreiben hilft! Feedback zu einem Zufallsfund

Lydia aus Nürnberg ist 33 Jahre und lebt seit 2016 mit einem Gehirntumor. Nach Operation, Bestrahlung und „unzähligen Therapien“ ist die junge Frau berentet und lebt ihr Leben so normal, wie es ihre Kräfte erlauben.

Auf der Suche nach neuen Inspirationen hat sie zufällig unser Buch „Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft“ entdeckt.  Es ist zwar schon ziemlich genau vor einem Jahr erschienen, wurde aber vom Verlag nur spärlich beworben. Daher freue ich mich besonders, dass Lydia es gefunden hat. Auch für sie war der Fund ein Glücksfall: Es habe sie zunächst sehr durchgerüttelt, dann aber dazu beigetragen, ihren inneren Frieden zu finden, schrieb sie als Einleitung ihres wunderbaren Feedbacks, das ich hier gerne teilen möchte. Nicht etwa zur Selbstbeweihräucherung, sondern weil Lydia die Wirkung unserer Schreibimpulse so authentisch beschreibt.

Als Autorin bekommt man außerhalb der Schreibgruppen, in denen diese und andere Übungen eingesetzt werden, nur selten ein Feedback wie dieses. Das liegt an der besonderen Dynamik der Gruppenarbeit, in der gleichermaßen Platz für Nachfragen ist, wie Zeit zum stärkenden Austausch über die entstandenen Texte. Lydias Erfahrungen sind daher sehr hilfreich, um bei künftigen Publikationen noch sorgsamer auf den Kontext der Anleitungen zu achten. Ihre Fragen haben wir inzwischen per Mail geklärt.

Liebe Lydia, an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, das ausführliche Feedback veröffentlichen zu dürfen! Unser virtueller Austausch, der mit der ersten Mail begonnen hat, ist  für mich ein wahres Geschenk!

Der Beitrag mag länger sein, als man sie der Aufmerksamkeit von Bloglesern laut gängigen Blogratgebern zutrauen darf. Trotzdem habe ich mich entschieden, ihn in voller Länge zu veröffentlichen, denn Lydia hat sich viel Arbeit mit ihrem Feedback gemacht! Auch lesen kann Wertschätzung ausdrücken.

Liebe Blogcommunity, hier lesen Sie, wie Lydia die Übungen empfunden hat.

Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft – Feedback – Was mich trägt (ab Seite 18)

Übungseinheit 1

Toller Einstieg um sich über die momentane Gefühlswelt klar zu werden!

Besonders für Menschen wie mich, die es sonst gut schaffen die Gefühle beiseite zu schieben. Endlich hat man einen Überblick darüber, wie man sich genau fühlt.
Auch wenn diese Übungen sehr emotional sind.

Übungseinheit 2

Wut:
Hier konnte ich lernen, dass ich den Fehler gemacht hatte, meine Wut zu unterdrücken, anstatt sie auch mal  rauszulassen. Sehr wichtig!

Innerer Weise:
Diese Übungen haben mir ein wundervolles Geschenk gemacht. Zu erkennen, dass ich alle Antworten bereits in mir trage, war eine unglaubliche Erkenntnis! Immer wenn mir nun etwas unklar ist, wenn ich meine Gefühle nicht einordnen kann oder ein Problem besteht, kehre ich an meinen Wohlfühlort zurück und rede mit meinem inneren Weisen, welcher es immer schafft mich aufzubauen.

Übungseinheit 3
Diese Übungen fand ich persönlich schwierig. Man muss viel überlegen, mir eröffnete sich allerdings auch die Erkenntnis, das zu kämpfen zwar gut ist, Akzeptanz jedoch der nächste Schritt.

Übungseinheit 4
Diese Übungseinheit gab mir meinen inneren Frieden, um den ich seit 3 Jahren kämpfte, wieder zurück. Diese Übungseinheit hat vieles offen gelegt und ich bin unendlich dankbar, dass Sie mir diese Übungen zur Verfügung gestellt haben!

Übungseinheit 5
Ein toller Weg, um zu erkennen, dass ich es schaffen werde mit der neuen Situation, dem neuen Leben zurecht zu kommen, da alles was mir früher geholfen hat, auch jetzt noch vorhanden ist. Diese Übungen gaben mir Stärke und Zuversicht.

Schatzsuche:
Diese Übung fand ich anfangs ehrlich gesagt unlösbar. Wenn man auf einmal behindert ist, hat man sehr mit dem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Anfangs musste ich lange überlegen damit mir überhaupt positive Dinge eingefallen sind.
Nun nach vielen Wochen, fällt es mir sehr viel leichter positive Dinge zu entdecken. Diese Übung hat mein Blickfeld enorm erweitert! Was für ein Geschenk!

Feedback – Kraftquellen (ab Seite 32)
 Übungseinheit 1
Diese Übungen haben mir geholfen zu erkennen, wie wichtig meine Freundschaften sind. Durch meine Behinderungen kann ich nicht mehr viel unternehmen, auch kann ich mich nicht lange mit Freunden treffen, da es mich sehr anstrengt. Hier neigt man dazu, sich seltener mit Freunden zu treffen, da man es immerzu körperlich (z.B. mit Kopfschmerzen) büßen muss.

Für die Seele sind Freundschaften jedoch so unglaublich kostbar! Dies habe ich durch die Übungen erkannt. Und versuche hier nun einen guten Mittelweg zu finden, auch wenn es Überwindung kostet.

Übungseinheit 2

Diese Übungen finde ich enorm wichtig, gerade für Menschen wie mich, die sich lieber um andere kümmern, anstatt selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies empfinde ich heute noch als schwierig. Es ist immer wieder eine Überwindung. Offen darüber zu reden hilft jedoch sehr.

Übungseinheit 3
Ich habe mich in all den Jahren niemals hängen lassen, habe immerzu neue Therapien gesucht und durchgezogen, immer nach Möglichkeiten gesucht
meine Lage zu verbessern. 
Diese Übungen haben mir gezeigt, dass man auch für die Familie stark sein muss, sich nicht hängen lassen sollte und dass meine Familie mich braucht. Ich mache es also genau richtig.

Sagen sie Ja:
Durch diese Übung – die ich persönlich auch schwierig fand, weil man sich am liebsten nicht mit der Zukunft beschäftigen möchte, da sie ja sowieso nicht
so ist, wie man es sich wünschen würde – habe ich gelernt mir trotzdem Ziele zu setzen. Mich damit auseinander zu setzen, was ich noch alles erreichen möchte, egal ob es aktuell machbar ist oder nicht. Sich mit den eigenen Wünschen auseinander zu setzen erweitert auch schon den Horizont.

Übungseinheit 4

Durch diese Übungen habe ich gelernt, was mir Therapeuten und Ärzte schon seit Jahren sagen, endlich auch mal an mich zu denken. Ich gönne mir nun
tatsächlich auch einmal Zeit für mich, in der ich etwas tue was mir Spaß macht. Vorher bestand mein Leben nur aus Therapien, Reha – Sport und Haushalt. Eben alles was ich als sinnvoll erachtet habe, um immer weiter voran zu kommen. Mich selbst habe ich in diesem endlosen Kampf vergessen.
Nun führe ich Buch darüber was ich tue, um mir selbst einmal Freude zu bereiten.
Ein Meilenstein an Fortschritt!

Übungseinheit 5
Nach diesen Übungen habe ich ein Trostbuch gebastelt. Momente dich mich immer glücklich machen, ein schöner Urlaub, Bilder meiner Familie, meine Hochzeit.
Dinge, die mein Herz erfreuen und mir Kraft geben an einem schweren Tag.

Feedback – JETZT (ab Seite 44)

Übungseinheit 1

Diese Übungen waren für mich eher schwierig umsetzbar.

Mir mangelt es nicht an Zeit, sondern an Kraft und Energie, um viele Dinge zu tun.

So geht es sicherlich auch vielen Patientinnen, die sich müde und erschöpft fühlen.

Natürlich bin ich auch eine Ausnahme darin, dass ich durch meinen Willen und Tatendrang immer genug finde was ich tun muss/möchte.

Mein Problem ist daher keinesfalls die fehlende Zeit an sich, sondern

die wenige Zeit die man sinnvoll nutzen kann aufgrund der Einschränkungen. Dies ist eine große Belastung, diesen Zustand zu akzeptieren. Und ich denke viele müssen auch damit kämpfen nicht mehr so leistungsfähig zu sein wie früher.
Eventuell hätte man auch auf dieses Problem eingehen können?

Was hindert mich:
Bei dieser Übung finde ich das Beispiel nicht ganz so gut gewählt. Angenommen ich stehe vor der Wahl Reiten oder Sportstunde. Dann wähle ich die Sportstunde.
Nicht weil mir reiten nicht mehr so wichtig ist, sondern weil mir die Sportstunde in meinem körperlichen Befinden, im Kampf um die Rückgewinnung körperlicher Kräfte mehr nutzt. Ich würde immer noch gerne reiten gehen. Aber die Priorität liegt beim Kampf um Verbesserung. Deshalb komme ich nicht zu dem Schluss, dass Reiten mir nicht mehr so wichtig ist, sondern ich bedauere die wenige Zeit, die ich tatsächlich nutzen kann.
Hier würde ich eher ein anderes Beispiel angeben.

Lebensträume:
Eine tolle Übung, um sich klar zu werden, was man sich bereits erfüllt hat, oder was ich auch verändert hat.

Übungseinheit 2
Wunderbare Übungen um zu erkennen, dass das Yin Yang Prinzip tatsächlich wahr ist! Es findet sich in jeder Begebenheit etwas Positives sowie Negatives.
Dies hilft, auch in der jetzigen Situation nach positiven Dingen zu suchen.
Und es hilft sich damit zu befassen, dass man Abschied nehmen muss vom alten Leben, egal wie schwer es einem fällt. Man muss loslassen.

Übungseinheit 3
Hierzu kann ich nicht viel sagen, da ich glücklicherweise schon immer frei von Gruppenzwang bin und mache was ich möchte. Ich denke es sind jedoch bestimmt hilfreiche Übungen für Menschen, die dies nicht so gut können.

Feedback – Positive Gefühle (ab Seite 56)

Übungseinheit 1

Sehr wichtige Übungen, um zum einen zu erkennen, die kleinen Glücksmomente des Lebens aktiv zu suchen, und zum anderen um sich in schweren Situationen selbst aktiv in eine positive Richtung zu lenken, und bspw. sich an Momente

erinnert in denen man glücklich war.

Das Glück kommt nicht von allein. Man muss hart daran arbeiten, in dieser neuen Situation positive Dinge zu entdecken, aber wenn man am Ball bleibt und jeden Tag etwas dafür tut, verändert sich die Sicht, und man ist dankbar für Dinge, die früher selbstverständlich waren. Es ist so unglaublich wichtig sich in dieser Lage damit zu beschäftigen was einen selbst glücklich macht.
Und dazu braucht man manchmal Hilfe, in Form von diesen Übungen!

Übungseinheit 2
Wie wichtig Gelassenheit ist, konnte ich bereits erkennen, als ich jemanden in der REHA kennenlernte, der schon seit 10 Jahren behindert ist und wunderbar damit zurechtkommt.  Aufgrund Ihrer Übungen führe ich nun eine konsequente und realistische Wochenplanung, welche mir hilft nicht nur die Arbeit und Aufgaben zu sehen, sondern auch die Momente für mich. Des Weiteren sammle ich Glücksmomente, und je öfter ich einen Smiley Sticker in mein Buch klebe, umso öfter
sehe und entdecke ich schöne Momente im Alltag. Ein unglaublich wichtiger Prozess!


Übungseinheit 3
Hier fand ich den Einstieg sehr schwierig. Nach so vielen Übungen die vom Glück, vom positiven Denken handeln und nachdem ich meine innere Ruhe gefunden hatte, sollte ich mich jetzt wieder auf den Zorn konzentrieren. Ich war aktuell nicht mehr zornig und wollte mich auch nicht damit befassen. Ich habe es dann versucht, empfand es aber wie einen Rückschritt. Auch das Thema Schmerzen fand ich an dieser Stelle der Übungen schwierig.
Sicher wird es besser sein, den Patienten erstmal aufzubauen und sich dann mit diesem schwierigen Thema zu befassen. Für mich fühlte es sich „falsch“ an. Ich wollte mich nicht mit negativen Gedanken befassen. Ich will meinen Fokus
auf die positiven Dinge richten. Die Schmerzen sind nun mal da und bleiben ein Teil von mir.

Übungseinheit 4
Hierzu kann ich leider keine Auskunft geben, da ich von mir aus, bereits jederzeit den Willen besitze meine Lage zu verbessern und da muss man eben Sport machen, mit diesem inneren Schweinehund, habe ich kein Problem. Da ist der Wille stärker. 😉


Feedback – Magische Momente (ab Seite 68)
Übungseinheit 1
Was für eine wundervolle Idee hier die Magie mit einzubeziehen! Man kann sie im Alltag finden, wenn man danach Ausschau hält.

Das magische Porträt:
Diese Übung ist bestimmt wunderbar. Allerdings fehlt hier für mich Information.
Ich soll die Satzanfänge beenden. Also zum einen frage ich mich, welche Frau mit Krebs fühlt sich momentan als Pferd, kraftvoll und selbstbewusst? Und auch die anderen Dinge… ich soll mir vorstellen ich bin ein Schmuckstück. Nun dann bin ich gerade eine kaputte Uhr, deren Zeiger zu langsam gehen. (aufgrund meiner Behinderungen)

Soll es hier vielleicht eher um eine positive Wunschvorstellung gehen? Und nicht wie man sich aktuell fühlt? Denn die aktuelle Betrachtungsweise ist eher deprimierend.
Ich wäre an dieser Stelle über zusätzliche Information erleichtert gewesen.
(Darüber haben wir uns inzwischen ausgetauscht. Es geht bei dieser Übung darum, sich als mehr zu sehen als nur als Menschen mit einer Krankheit. Danke für den Hinweis, dies noch genauer erklären zu müssen!)

Die anderen Übungen finde ich absolut toll und wirksam!

Übungseinheit 2
Sehr wichtig, um wieder zu lernen eine Zukunft zu sehen, und zu erkennen, dass, obwohl viele Dinge vielleicht nicht mehr möglich sind, es trotzdem Dinge gibt, die man eventuell noch schaffen könnte! Auch um zu lernen Wünsche umzuformulieren, Teile davon wahr zu machen ist auch schon ein Glück.


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Auf dem Weg zu neuen Horizonten dem Flow eine Chance geben!

15. Januar 2020 | Kommentare deaktiviert für Auf dem Weg zu neuen Horizonten dem Flow eine Chance geben!

Für gute Wünsche ist es nie zu spät! Auch wenn das Neue Jahr nicht mehr ganz so frisch ist, wünsche ich allen Leser*innen meines Blogs ein gesundes, inspirierendes Jahr 2020 mit einem fetten Zeitpolster für die Dinge, die einfach nur guttun und beglücken!

Wenn ich mich so umhöre, scheinen gute Vorsätze mega-out zu sein.  Aus gutem Grund: Sie stressen, ganz gleich wie SMART und gezielt man sie angeht. Da gefällt mir der Ansatz der Kolleginnen Nora Peters und Jana Zegenhagen viel besser: Sie starten  „pipilottamässig“  ins neue Jahr und lassen ihre Schreibklientinnen daran teilhaben.

Kreativ und verspielt ins Jahr zu starten, ist garantiert lustvoller, als all den Optimierungstipps  zu folgen, die einem im Netz so um die Ohren gehauen werden. Warum nicht stattdessen dem Flow schreibend eine Chance geben?

Wohin die Schritte führen, sieht man oft erst in der Rückschau
Das ist mein Fazitaus einem liebgewonnenen Ritual.Seit 15 Jahren treffe ich mich mit meiner Freundin Wiebke am 19. Dezember, um gemeinsam auf das Jahr zurückzublicken.
45 Minuten schreibt jede für sich ihren Jahresrückblick. Anschließend lesen wir uns unsere Texte vor und staunen. Immer! Denn jedes Mal  entsteht das Jahr in unseren Kladden noch einmal völlig anders, als wir beim groben Überdenken  vermuteten.  Während sich die Gedanken oft am  Negativen festbeißen, bringt der hüpfende Stift andere Erinnerungen hervor. Vielfältige, bunte, liebevolle. Beim Schreiben blitzen schöne Momente hervor, tauchen wichtige Menschen auf, lose Fäden, die Verknüpfung fanden. Übrigens: Auch für einen Jahresrückblick ist es Ende Januar noch nicht zu spät. 😊

Im vergangenen Jahr haben wir unser Ritual erweitert. Wir schrieben auf, was wir uns für das kommende Jahr an Entwicklungen wünschten.  Klar, das Leben ist kein Wunschkonzert. Und doch erfüllten sich so mancher Traum. Einige -zugegebenermaßen wenige – haarklein so, wie wir es mit allen Sinnen voller Vorfreude ersehnt hatten. Andere Hoffnungen platzten oder entwickelten sich in eine völlig andere Richtung. Dennoch brachten sie uns auf die eine oder andere Art weiter.
Ich glaube, das Geheimnis liegt in der Gelassenheit. Sich öfter mal zu erlauben, nicht verbissen etwas erreichen zu wollen. Sich Zeit zu lassen,  wenn andere schon drei Schritte weiter sind. Wie Pippi zu trödeln und Sachen zu suchen, wenn man noch nicht weiß, welche. Oder was man eigentlich damit anfangen möchte. Die Augen offen zu halten und immer wieder mutige Entscheidungen zu treffen, auch wenn das Ergebnis nicht offensichtlich ist.

Keine Angst vor Rückschlägen
Ein schönes Beispiel dafür ist die Biografie von Rosemarie Berner, die ichbei ihrer Rückschau auf ein großes Stück Berufsleben begleiten durfte. Die Powerfrau aus dem Schwabenland ist eine ganz normale Alltagsheldin, die sich ihr Leben lang von ihren Leidenschaften lenken ließ und dabei lernte: „Wege öffnen sich beim Gehen“. Mit Rosemarie Berner teile ich die Lust, Erfahrungen zu vermitteln und gemeinsam mit Menschen aller Altersklassen auf Entdeckungsreisen zu gehen. 2020 gehe ich dazu eine neue Partnerschaft ein. Zusätzlich zu meinen Fortbildungen und Coachings werde ich exklusiv für die Paracelsus-Schule Berlin Tagesangebote entwickeln. Den Auftakt macht „Empowerment durch Journaling und Pilates“ , ein Angebot, das ich 2019 mehrfach als Einzelcoaching erprobt habe und in diesem Jahr bei Paracelsus als Gruppenangebot dort anbieten werde. Der erste Termin ist der 27. März. Weitere Angebote sind in Planung. Ich freue mich schon sehr auf die schönen Räumlichkeiten und die heitere Atmosphäre, die mich sofort gefangen genommen hat. Und auf all die anderen Sachen, die ich in diesem Jahr vielleicht ganz zufällig entdecke.
Alle, die schreibend mit mir auf Entdeckungsreise gehen möchten, sind herzlich eingeladen!

Ihre/Eure
Jutta Michaud

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Die Angst (be-) zähmen – eine ermutigende Befreiungsgeschichte

23. November 2019 | Kommentare deaktiviert für Die Angst (be-) zähmen – eine ermutigende Befreiungsgeschichte

ISBN: 978-3-747-0105-7 mvgverlag

Wir alle kennen Ängste. Sie sind unangenehm, grundsätzlich jedoch eine hilfreiche Warnung von Gefahren. Doch was die Evolution uns als Schutz mit auf den Weg gegeben hat – ein unwillkürlich ablaufendes Programm des vegetativen Nervensystems, das uns die schnelle Flucht vor dem Säbelzahntiger ermöglichen soll – kann sich unter ungünstigen Umständen gegen uns wenden.
Taucht eine Angst in grundsätzlich harmlosen Situationen auf und verursacht körperliche Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Übelkeit sowie die Befürchtung, die Kontrolle über den Körper zu verlieren, wird es ernst. Spinnenphobien, Prüfungs- oder Zahnarztangst, beklemmende Gefühle beim Aufzug fahren – solange sich solche Gefühle  durch Vermeidungsstrategien im Zaum halten lassen, bleibt alles im grünen Bereich. Doch wenn dieser Schutzwall fällt, die „Angst vor der Angst“ übernimmt, wird es kritisch. Dann ist die Gefahr groß, in eine Spirale zu geraten, aus der ohne Hilfe kaum herauszufinden ist.

Rund 15% aller Deutschen entwickeln im Laufe ihres Lebens eine Angststörung.  Aus Scham wird darüber geschwiegen, denn die Betroffenen wissen ja, dass es für ihre Gefühle eigentlich keinen objektiven Grund gibt. Mehr und mehr ziehen sie sich aus dem Leben zurück, verlieren soziale Kontakte und Lebensfreude. Auf den Gedanken, hinter ihren Ängsten könnten biografisch bedingte Auslöser stecken, kommen die Wenigsten.

Eindringlich, wie  aus dem Lehrbuch gegriffen, doch gleichzeitig in einem authentisch-lebendigen Tonfall, erzählt Sarah Peters  in „Das Außen bleibt Draußen“, wie eine Angststörung ihr nach und nach Selbstvertrauen und Lebenskraft raubte. Vier Jahre lang lebte sie in selbstverordneter „Einzelhaft“ in ihrer Wohnung, mit der Außenwelt nur noch über ihren Freund, Telefon und Internet verbunden. Wie eine doppelte Metamorphose liest sich Sarahs Entwicklung von einer energischen, lebenslustigen jungen Frau zu einer scheuen Person, die sich vor dem Paketboden im Schlafzimmer versteckt und wieder zurück zu einer Frau, die ihr Leben in die Hand nimmt. Mit nur wenige Sitzungen bei einem Hypnotherapeuten gelang es ihr, ihre Ängste nach und nach hinter sich zu lassen. Begeistert von der Wirkung ihrer Hypnotherapie, ließ sie sich selbst zur Hypnotherapeutin ausbilden und betreibt inzwischen eine erfolgreiche Praxis.

Sarahs Geschichte und ihr Buch haben mich so fasziniert, dass ich sie um ein Interview gebeten habe.
Als Schreibtherapeutin hat mich natürlich besonders interessiert, wie es sich angefühlt hat, dieses sehr persönliche, für Betroffene so ermutigende Buch zu schreiben. Aus Erfahrung weiß ich, dass es ein Unterschied ist, ob man von einer tiefgreifenden Erfahrung erzählt, oder sie niederschreibt, denn schreibend gelangt man sehr schnell an tiefe Bewusstseinsschichten. Und natürlich wollte ich wissen, ob sie auch schon geschrieben hat, als sie das Haus nicht verließ. Stil und Tonalität ließen mich vermuten, auf eine erfahrene Schreiberin zu stoßen.

Doch lesen sie selbst. 😊

Interview mit Sarah Peters

JM: Sarah, der Weg, den du bei der Befreiung aus der Angststörung zurückgelegt hast, hat mich sehr beeindruckt. Wie hat es auf dich gewirkt, deine Biografie und deine Erlebnisse noch einmal schriftlich zu rekapitulieren?

SP: Das war ein sehr intensiver, emotionaler Prozess. Als ich mit dem Schreiben begann, war ich eigentlich schon emotional sehr gefestigt, aber dennoch war es eine neue Erfahrung. Beim Schreiben tauchten nochmal blinde Flecken auf und es dauerte, um an die damit verbundenen Gefühle heranzukommen. Manchmal hatte ich beim Schreiben das Gefühl „Sarah, was machst du da?“, denn es ist ja nicht nur die Konfrontation mit den eigenen Gefühlen, sondern auch die Tatsache, dass man sich vor seinen Lesern nackt macht. Mir hat es sehr geholfen, den Schreibprozess mit einer Supervision zu unterstützen. Ganz ehrlich: Hätte ich mein Ziel nicht so klar vor Augen gehabt, wäre ich manchmal versucht gewesen, es zu lassen. Aber  genau so ein Buch hätte ich gebraucht, als ich in meiner Angststörung feststeckte. Ich wollte es unbedingt schreiben, um Anderen Mut zu machen.

JM: Hattest du Erfahrungen mit dem Schreiben, ehe du dein Buch geschrieben hast? Hast du beispielsweise früher ein Tagebuch geführt?

SP: Nein, nie!  Ich hatte überhaupt keine Schreiberfahrung. Und es hat mich total überrascht, was beim Schreiben passiert. Wie tief man an seine Themen herankommt. Man schreibt sich in eine Art Trance, die der Hypnose ein Stück weit ähnlich ist.

JM: Meinst du, es hätte dir geholfen, wenn du während der Zeit geschrieben hättest, als du das Haus nicht verlassen hast?

SP: Auf keinen Fall! Ich war ja voll im Verdrängungs-Modus. Hätte ich geschrieben, hätte ich mich ja auseinandersetzen müssen. Das hätte mir nur mein eigenes Leid mehr vor Augen geführt. Zu viel Auseinandersetzung hätte mich überfordert.

JM: Kannst du dir jetzt vorstellen, dass Schreiben deinen Patienten therapiebegleitend helfen könnte? Sich beispielsweise ihren „sicheren Ort“ schreibend zu erweitern und sich dort mit ihren Empfindungen auseinanderzu- setzen?

SP: Auf jeden Fall. Besonders für Menschen, die nicht so einen guten Zugang zu sich und ihren Gefühlen haben, kann ich mir das als gute Hilfe vorstellen. Für Menschen mit einem stark ausgeprägten Verdrängungsmechanismus kann ich mir das inzwischen auch unterstützend gut vorstellen, besonders dann, wenn das Schreiben lösungsorientiert eingesetzt wird. Ich glaube sowieso, jeder muss für sich die passende Therapieform finden und es ist immer gut, wenn man als Therapeutin Alternativen und zusätzliche Verfahren anzubieten hat. Darum bilde ich mich selbst auch konsequent weiter.

JM: Was für ein Gefühl war es, das fertige Buch in den Händen zu halten?

SP: Es war sehr emotional. Sehr unwirklich. Ich kann es noch kaum glauben, denn es war so ein intensiver Prozess vom Schreiben bis zum 1. Covervorschlag. Als es endlich fertig war, ist das schon ein sehr berührender Moment gewesen.

JM: Wie geht es jetzt weiter, gehst du mit dem Buch auf Tour? Ich finde, viele Menschen sollten es lesen, sowohl um zu sehen, dass sie mit ihren Ängsten nicht allein sind, als auch, um für das Thema insgesamt zu sensibilisieren. Mir scheint, gerade soziale Ängste nehmen immer mehr zu.

SP: Ja, den Eindruck habe ich auch. Ob ich auf Tour gehe, weiß ich noch nicht. Ich habe ja meine Praxis und bin da gut ausgebucht. Es gab kürzlich einen Auftritt im Frühstücksfernsehen und es stehen noch eine ganze Reihe Presseanfragen an. Was genau passieren wird, ist noch offen.

JM: Viel Erfolg dabei und herzlichen Dank für das Gespräch.

Ausflug zum „Dritten Ort“

3. Juli 2019 | Kommentare deaktiviert für Ausflug zum „Dritten Ort“

Sie informieren, sind aktive Leseförderer mit profunden Literaturkenntnissen und
Gesprächspartner*innen in angstmachenden Situationen: die Mitarbeiter*innen der 220 Patientenbibliotheken an Deutschlands Krankenhäusern.

Ende Juni trafen sich 40 Haupt- und Nebenbeschäftigte sowie einige engagierte Freiwillige zum Bundestreffen der Patientenbibliotheken in der Dornröschenstadt Hofgeismar bei Kassel. Dort ging es neben einem intensiven Erfahrungsaustausch um die Entwicklung neuer Konzepte, um die Bedeutung ihrer Arbeit im Mikrokosmos Krankenhaus sichtbarer zu machen.
Was die Mitarbeiter*innen dieser Einrichtungen schon jetzt alles leisten, ist – so ergab eine Blitzumfrage in meinem Bekanntenkreis – relativ unbekannt, denn für aufmerksamkeitsstarke Öffentlichkeitsarbeit fehlt meist die Zeit. In der Regel ist die Personaldecke eng gestrickt. Besonders in kirchlichen Krankenhäusern wird viel auf Freiwilligenarbeit zurückgegriffen.

Soziale Teilhabe – nicht nur für Gern- und Vielleser
Mit einem kostenfreien Sortiment für alle Altersklassen, Büchern in leichter Sprache und/oder mit großer Schrift, tragen die Krankenhausbibliotheken ein Stück zur sozialen Teilhabe bei, die unabhängig ist von Sozialstatus, Herkunft oder Einschränkungen. Gut ausgestattete Bibliotheken verleihen sogar vorinstallierte Lesegeräte, die Schmökern auch dann ermöglichen, wenn der Bettnachbar gern schlafen möchte. Für Nichtleser*innen gibt es Filme, Hörbücher und elektronische Spiele. Zwischen 1000 und 8000 Medieneinheiten bewegen sich die Bestände, große Kliniken verfügen über Bibliotheken mit bis zu 16.000 Medieneinheiten. Jetzt geht es den engagierten Bibliothekaren darum, die Bibliotheken als „Dritten Ort“ im Klinikkosmos zu profilieren.

Dritter Ort?
Dieser Begriff, erklärte mir Gundula Wiedemann, Kongress-Organisatorin und Leiterin der Patientenbibliothek im Charité Campus Benjamin Franklin, stamme aus den ländlichen Regionen der USA. Dort sei das Zentrum des sozialen Lebens vielfach im Dreieck von Kirche, Mall und Bibliothek angesiedelt. Und als „soziale Zentren“ verstehen sich die Patentenbibliotheken mit ihrem Anspruch,  den technischen Abläufen des Krankenhausalltags eine humane Komponente hinzuzufügen. Gerade vor anstehenden Operationen sind es oft die  Bibliothekar*innen, die ein offenes Ohr für Ängste und Sorgen haben, denn das Pflegepersonal steht, bedingt durch veränderte Organisationsstrukturen, unter ständigem Zeitdruck. Da tut es gut einen Rückzugsort aufzusuchen, in dem die Uhren langsamer ticken.

Durch die Lektüre können die Patient*innen der Krankenhausrealität für eine Weile entfliehen. Schon seit dem Mittelalter ist bekannt: Lesen beruhigt. Bücher ermöglichen Reisen in andere Welten, entfachen ein kreatives Kopfkino und  enthalten die Kraft und Magie, lebensbejahende Impulse auszulösen. Umso wichtiger sind kompetente, empathische Ansprechpartner, die das richtige Buch zur richtigen Zeit in die passenden Hände legen können.

Da geht noch was
Rund um die Entwicklung eines Positionspapiers 2.0 sammelten die Tagungsteilnehmer*innen in Hofgeismar Ideen, wie man die „Dritten Orte“ noch attraktiver machen könnte. Mehr Dialog, mehr Austausch, mehr aktive Leseförderung und Schutzräumen für Menschen am Rande der Gesellschaft, lautet die Devise. Neue Angebot sind nicht zuletzt wichtig, um die Institution Patientenbiliothek vor Einsparungen zu bewahren. Aspekte wie die kürzere Verweildauer von Patienten  auf den Stationen sowie der globale Trend, Kliniken unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen, bedrohen die Existenz dieser wichtigen Orte.  Daher rücken Bibliothekare auf internationaler Ebne näher zusammen und tauschen sich in Sachen Konzeption aus. Ideen gibt es viele, angefangen bei der Bandbreite des Angebots – ein Kanon  aus Freizeitlesestoff, Gesundheitsinformationen, Fachbüchern und digitalen Medien – über Dienstleistungen wie Bücherlieferungen für Patienten, die ambulant zuhause betreut werden (gibt es bereits in München) bis hin zu Gruppenangeboten für das Pflegepersonal.

Beispiel Klinikum Benjamin Franklin
Mit Autorenlesungen und demnächst mit regelmäßigen Schreibworkshops zur Burnoutprophylaxe für Mitarbeiter*innen der Psychiatrie, liegt Gundula Wiedemann mit ihrem Angebot im Klinikum Benjamin Franklin schon weit vorne.
Nach einem erfolgreichen Schnupperworkshop für Patient*innen und Krankenhauspersonal aus allen Bereichen, hatte sie Susanne Diehm und mich eingeladen, um den Tagungsteilnehmer*innen unser Konzept des Gesundheitsfördernden Kreativen Schreibens (GKS) vorzustellen. Gruppenangebote in Bibliotheken sind unaufwändig zu organisieren und eine innovative Methode, um den „Dritte Ort“ um einen lebendigen Austausch zwischen den verschiedenen Gruppen des Mikrokosmos Krankenhaus zu bereichern.

Wie das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben eingesetzt werden kann und wie es wirkt, konnten die Teilnehmer*innen in Hofgeismar im Selbstversuch probieren. Aufgeteilt in zwei große Gruppen erklärten wir die Prinzipien unserer Arbeit anhand von Schreibimpulsen zum Thema „Lesen und Lesebiografie“. Einmal mehr durften wir uns über großes Interesse und positive Rückmeldungen freuen. Es ist immer wieder schönes zu erleben, wieviel Freude selbst verfasste Texte den Schreibenden machen und wie überrascht sie von ihren eigenen Fähigkeiten sind.

Für alle, die tiefer ins Thema einsteigen möchten, empfahlen wir unsere Fortbildungen, die zu unterschiedlichen Zeiten in Berlin stattfinden. Kurzentschlossene können sich noch bis spätestens 15. Juli 2019 zu meinem Einsteiger-Zertifikatskurs GKS I vom 23.-25. August anmelden, der  Folgekurs, in dem es schwerpunktmäßig um Zielgruppenfindung und Selbstmarketing geht, findet
vom 20.-22. September 2019 statt.

Drüber reden – und schreiben!

14. Juni 2019 | 2 Kommentare


ISBN: 978-3-95803-253-8
München: Scorpio 2019

Dominique de Marné hat eine Mission: Sie möchte  Verständnis für Menschen mit psychischen Erkrankungen fördern und sie aus der Stigmatisierung herausholen. Die Psychologin und Kommunikationswissenschaftlerin führt mittels eigener Erfahrungen mit der „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ (offizieller Fachbegriff) durch Definitionen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Therapieformen und Argumente für einen veränderten Umgang mit psychischen Erkrankungen.
Auch wenn wir es gerne ignorieren: die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit verläuft fließend. Psychische Erkrankungen sind davon nicht ausgenommen. Wer kennt Borderline-Symptome wie Angst vor dem Verlassenwerden, schwankendes Selbstwertgefühl, instabile Gefühlslagen oder zu viel Alkoholkonsum nicht aus eigenem Erleben? Wie und warum sich  scheinbar „normale“ Gefühle und Verhaltensweisen zu einem Krankheitsbild verdichten, das ein Leben im wahrsten Sinne des Wortes stört, beschreibt Dominique de Marné so leicht verständlich, als säße sie mit guten Freunden beim Plausch. Es ist ein mutiges Buch, in dem die Autorin viel von sich selbst zeigt. Das passt, denn sie ist davon überzeugt, der Weg aus der Stigmatisierung könne nur über einen offenen Austausch erfolgen. Die Autorin kämpft dafür auf allen Kanälen. Als „Mental Health Advocate“ ist sie in ihrer Mission als Rednerin  in Schulen und bei  Veranstaltungen unterwegs und betreibt einen Blog.

Was ist eigentlich normal?
De Marné gibt Antworten, die klar machen, dass Stigmatisierungen ständig und überall lauern, wo etwas anders ist als im gewohnten Umfeld. Sie verdeutlicht, wie Selbstoptimierungszwang, Perfektionismus und nicht zuletzt die sozialer Medien im Umgang mit sich selbst und anderen nicht nur im Grenzgebiet zwischen Persönlichkeit und Gesellschaft eine immense Rolle spielen, sondern auch die Achse  zwischen Gesundheit und Krankheit empfindlich belasten können.

Biografische Forschungsreise
Was mir an diesem Buch besonders gefällt, ist die gelungene Verschränkung von fundiertem Fachwissen, Informationen zu Behandlungsformen und praktischen Tipps mit de Marnés detektivischer Erforschung der eigenen Biografie.
Hilfreich  für Freunde und Angehörige von Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen, bei Depression und Suizidgefährdung (allesamt oft Bestandteil einer Borderline-Störung) ist der Hinweis auf Sätze, die man vermeiden sollte und solche, die für Betroffene aufbauend sind.

Wasser auf meiner schreibtherapeutischen Mühle ist die Beschreibung der Routine, mit der die Autorin  für ihr persönliches Gleichgewicht sorgt: Schreiben, Sport und Kreativsein. Diese Kombination empfehle ich in  meinen Coachings einerseits  allen, die sich durch Krisen oder Veränderungsprozesse kämpfen müssen, andererseits auch als Gesundheitsprophylaxe. Denn wie gesagt, die Grenze zwischen Gesundheit und Krankheit ist fließend.

Zum Weiterlesen empfehle ich den Borderline-Ratgeber von Hedda Rühle und Sandra Maxeiner, den ich auf meinem Blog vor einiger Zeit besprochen habe. Hier lohnt sich besonders ein Blick auf Rühles These, dass einer Borderline-Störung immer ein Beziehungstrauma zugrunde liegt.

Ein Grund zum Mitfreuen

22. Mai 2019 | Kommentare deaktiviert für Ein Grund zum Mitfreuen

Eine österreichische Zeitung hat sie entdeckt:
Nives Kramberger, Schauspielerin, Atemcoach, Chanson-Sängerin und Teilnehmerin an unseren monatlichen SUDIJUMI-Schreibworkshops in der Charité, präsentiert ihre starken Texte jetzt einem größeren Publikum! „Der Augustin“ veröffentlicht in mehreren aufeinanderfolgenden Ausgaben ihre „Chemotexte“.
Nives hatte sie ursprünglich geschrieben, um sich selbst auf dem Weg zur Genesung zu unterstützen. Jetzt hat sie die Chance, interessierten Menschen einen ebenso informierenden wie berührenden Einblick in diese existenzielle Situation zu geben.
Wer weiß, vielleicht ebnet sie sich damit sogar neue Wege zu weiteren Veröffentlichungen. Ich würde es ihr wünschen, denn auch wenn es nicht um Krebs geht, schreibt Nives spritzige wie witzige Texte, die man sehr gerne liest.

Zu ihrer ersten Veröffentlichung in einer Zeitung geht es hier:

Augustin_482_Nives_1.Chemo

Impressionen vom Welteierstockkrebstag

13. Mai 2019 | 1 Kommentar

Die Stiftung Eierstockkrebs und ihr Gründer Prof. Dr. Jalid Sehouli haben dem Muttertag eine zusätzliche Bedeutung hinzugefügt: jeweils am 2. Maisonntag eines Jahres wird der 7500 Frauen gedacht, die jährlich an Eierstockkrebs erkranken um das öffentliche Bewusstsein für diese heimtückische Krebsvariante zu fördern.

Eierstockkrebs ist schwer zu diagnostizieren, eine spezielle Vorsorge gibt es nicht. Eher selten wird die Krankheit im Frühstadium erkannt und galt daher lange Zeit als Todesurteil. Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Langzeitüberlebende, deren lebenserhaltende Ressourcen an der Charité ausgiebig erforscht und wo möglich gefördert werden. Auch eine neue Generation von Krebsmedikamenten sorgt für einen Rückgang der Mortalitätsrate.

Mit Fachvorträgen zu den neuesten Erkenntnissen der Krebsforschung und -therapie, Initiativen und Aktionen ist der Welteierstockkrebstag inzwischen zur Institution geworden. Diesmal erwies sich der Senatssaal der Humboldt-Uni mit seinen 150 Sitzplätzen bereits als viel zu eng für die vielen Betroffenen, Angehörigen, Ärzte und Therapeuten, die den Vorträgen aus Medizin und Kreativtherapie lauschten. Die ganzheitliche Betrachtung von Menschen mit ihrem Bedürfnis nach Selbstausdruck und Kommunikation fördert die Selbstheilungskräfte und das Gefühl der Autonomie, was der Genesung nachweislich zugutekommt. Deshalb lobt die Stiftung jährlich einen Wettbewerb zu einem kreativen Motto aus.

Neben dem Buch „Bauchgefühle. Leben aus Leidenschaft“, einer Anthologie mit Texten aus dem Schreibwettbewerb, dessen Gewinner im Vorjahr geehrt wurden, stellte die Jury des diesjährigen Malwettbewerbs die Favoriten aus über 150 Einsendungen vor. Erstmals hatte es auch ein Online-Voting gegeben.

Besonderes Augenmerk verdient jedoch die Initiative „Rosi.“ Mit einer großangelegten Spendenaktion und einer Crowdfunding-Kampagne sammelt die Stiftung Eierstockkrebs derzeit Mittel, mit deren Hilfe die Therapieräume der Frauenklinik der Charité mit dem „Charme“ eines Warteraums zu echten Lebensräumen verwandelt werden sollten. Holz, warmes Licht, Bilder, Ruhe und angenehme Farben sollen die Räume in Orte verwandeln, in denen sich die Frauen während ihrer Chemotherapie wohlfühlen können. Kreativangebote wie malen und schreiben, Lesungen und Ernährungsworkshops sollen ihnen künftig die Zeit am Tropf verkürzen und zu einem Stück echter Lebenszeit werden. Beachtliche 69. 000€ sind bereits in den ersten beiden Wochen der Kampagne zusammengekommen, insgesamt werden jedoch 400.000€ benötigt, um das Gesamtpaket finanzieren zu können. Gespendet werden kann hier: Stiftung Eierstockkrebs, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE78 1002 0500 0001 2065 00, BIC: BFSWDE33BER oder per Charity SMS im Wert von 5€ unter 81190, Kennwort ESK.

Übrigens hat diese Aktion einen konkreten Bezug zum Muttertag. Ausgerechnet an diesem Tag hatte Rosi Müller, eine Patientin von Professor Sehouli, ihrer Tochter erzählt, sie habe ein Rezidiv, der Krebs sei zurück. Tina begleitete ihre Mutter bis zu deren Tod durch die verschiedenen Stadien der Therapie und lernte dabei die unwirtlichen Therapieräume kennen. Im Gespräch mit Professor Sehouli entwickelte sich die Idee, diese „Schreckensräume“ in lebendige Lebensräume umzugestalten. Manchmal reicht ein eben doch schon Gespräch oder eine Begegnung, um Dinge zum Positiven zu wenden.

Dieses Bild entstand in der kreativen Pause als Gemeinschaftsbild von Patientinnen und Therapeutinnen.