Jutta Michaud

Über mich

Über mich

KURZ UND KNAPP

Als Diplom-Soziologin, Journalistin und Marketingfrau war ich beruflich über zwei Jahrzehnte in der Unternehmenskommunikation zuhause. 2005 qualifizierte ich mich an der ASH Berlin zunächst zur „Schreibgruppenleiterin für Biografisches Schreiben in psychosozialen Berufen weiter und belegte anschließend den  Studiengang „Biografisches und Kreatives Schreiben“, den ich 2009 mit dem Master abschloss. Seitdem veröffentlichte ich  Kurzgeschichten in Anthologien, schrieb einen Roman,  verfasste Sachbücher und coachte Menschen in Veränderungsprozessen.

Mit Susanne Diehm habe ich 2012 SUDIJUMI gegründet und das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben (GKS) entwickelt. Als Team SUDIJUMI arbeiten wir  mit chronisch Kranken, Krebspatienten, entwickelten Schreibprogramme zur Gesundheitsprophylaxe und coachten junge Menschen durch die Ausbildung. GKS by SUDIJUMI ist eine eingetragene Marke, die jede von uns mit eigenen Schwerpunkten ergänzt und für die wir Fortbildungen anbieten.

Ich lebe in Berlin, bin verheiratet und habe drei Kinder.

Für alle, die mehr wissen möchten, gibt es hier eine ausführlichere Version.

DAS LEBEN RUNDEN

Sollte ich die Dinge, die mir im Leben wichtig sind und mich geprägt haben, mit Hilfe einer Form beschreiben, so würde ich einen Schwimmreifen wählen. Leuchtend rot wäre dieser Reifen und prall gefüllt. Doch anstelle von Luft bestünde die Füllung aus lose treibenden Elementen, die sich fließend zueinander fügen, trennen und doch immer wieder ein Ganzes ergeben. Was sie zusammenhält, die rote Hülle, ist für mich das Schreiben. Ein Rettungsring im manchmal reißenden Fluss des Lebens.

Mein allererster Berufswunsch war Krankenschwester. Ich bewunderte meine Mutter, die als Stations- und OP-Schwester mit Enthusiasmus für „ihre“ Patienten“ sorgte. Als Kind musste ich mehrere Operationen über mich ergehen lassen und hatte das Glück, an den Arbeitsplätzen meiner Mutter behandelt zu werden. So erlebte ich Krankenhäuser als Orte der Fürsorge und meine Mutter als beliebte Pflegerin und geschätztes Teammitglied. Zuhause erzählte sie oft von den Menschen, um deren Genesung sie sich sorgte. Dazu gehörte auch die Trauer, wenn ein Mensch, den sie besonders mochte, verstarb. Ihr Beispiel lehrte mich, wie erfüllend Arbeit sein kann, wenn man das richtige Tätigkeitsfeld für sich gefunden hat.

Als ich etwas älter wurde, entdeckte ich das Schreiben für mich und sah mich als Erwachsene „Geschichten“ schreibend, wie meine damaligen LieblingsautorInnen Lise Gast, Walter Farly und Enyd Blyton. In deren Büchern ging es immer wieder um Themen wie Freundschaft, Liebe, Verluste, Neid, Ausgrenzung und darum, einen Platz im Leben finden, der sich richtig anfühlt. Themen, die auch durch jene ersten Schreibversuche schwirrten, die ich in dicken Schulheften sammelte.

Vielleicht schenkte mir meine Mutter deshalb ein Tagebuch, in dem ich meine eigenen Sorgen und Nöte festhalten konnte. Als sie unerwartet an den Folgen eines schweren Verkehrsunfalls starb, blieb mir aus den gruseligsten Tagen meiner Teenagerzeit die Erfahrung, dass Schreiben hilft, mit existenziellen Situationen umzugehen.

Am Anfang war es die Erfahrung…

Schreibend rettete ich mich auch durch eine krisenreiche Phase der Ängste, Hoffnungen und schmerzhaften Gewissheiten, als meine Großmutter, bei der ich lebte, nur wenige Jahre später an Krebs erkrankte und ich ihre Pflege übernahm. Damals erlebte ich, dass die Unterstützung durch gute Freunde und Sport verbunden mit dem Schreiben stärkt und Halt gibt. Meine wichtigste Erkenntnis in dieser Zeit war prägend für das, was ich meinen Klienten heute vermitteln möchte:

Wenn man nicht nur festhält, was einem zustößt, sondern  schreibend immer wieder die guten Momente im Leben würdigt, kann man sich  der eigenen Stärken bewusst werden und auch im schlimmsten Sturm immer wieder aufrecht stehen.

Entwicklungsprozesse haben mich immer fasziniert, daher besuchte ich während meines Soziologie- und Psychologiestudiums mit Vorliebe Lehrveranstaltungen, die sich um diese Themen drehten. Auch die Medizinsoziologie zog mich immer wieder an. Doch bis ich diese Themen bewusst mit dem Schreiben in Verbindung brachte, sollten noch längere Umwege nötig sein. Manche Entwicklungen brauchen Reifezeit. Die Richtung war immer da, ich konnte nur das Ziel nicht sehen.

Zunächst schrieb ich über zwei Jahrzehnte in Redaktionen, Agenturen, Unternehmen und als freiberufliche Marketing- und PR-Beraterin: Texte für Print und Web, Reden, Konzepte für Veranstaltungen. Und doch fügte es sich wieder. Meine erste Schreibgruppe entwickelte sich scheinbar zufällig, als ich im Kontext eines Kinderfestes einen Schreibkurs für junge „Nachwuchsjournalisten“ konzipierte. Beinahe sieben Jahre blieb der harte Kern dieser Gruppe beisammen und viele Schreibimpulse, die ich bis heute einsetze, entwickelten sich dieser Zeit.

Diese und viele andere Erfahrungen habe ich in vielen Schreibkladden festgehalten, die sich -völlig theoriefrei – schon zu Schreibjournalen mauserten, ehe ich die Wortbedeutung kennenlernte: Ein Medium, dass mich in allen Lebenslagen begleitete und dabei half, Probleme zu lösen und Krisen zu bewältigen. Schreibzeit entwickelt! Das habe ich in all den Jahren selbst erlebt. Auch das Schreiben viele Ausprägungen haben kann, auch jenseits von Belletristik oder Sachbüchern.

… dann folgte die Wissenschaft

Eines Tages erzählte mir eine Freundin von einer Fortbildung zur Schreibgruppenleiterin für Biografisches Schreiben in psychosozialen Berufen, die sie an der Alice-Salomon-Hochschule besucht hatte. Ich war elektrisiert. Diese Fortbildung wollte ich unbedingt machen! Damals ahnte ich nicht, dass dies der Sprung in ein völlig neues Berufsleben war. Sie begeisterte mich so sehr, dass ich mich anschließend gleich für den Masterstudiengang Biografisches und Kreatives Schreiben bewarb. Während dieses Studiengangs entdeckte ich Aaron Antonowsky und sein Salutogenesemodell, sozusagen die theoretische Untermauerung dessen, was ich im Leben selbst schon erfahren hatte. Von diesem Moment an wusste ich, wo ich hinwollte: Schreibangebote entwickeln, die zur Stabilisierung der Gesundheit führen, die verschiedenen Facetten zusammenbringen, die ein Mensch benötigt, um an die Sinnhaftigkeit des Lebens und die Kraft zur Bewältigung der immerwährenden Entwicklungsaufgaben zu glauben.

Nach zusätzlichen Fortbildungen zur Kunst-, Kreativitäts- und Lerntherapeutin habe ich zusammen mit Susanne Diehm unter dem Namen SUDIJUMI das Gesundheitsfördernde Kreative Schreiben (GKS) entwickelt.

Nach und nach haben sich die losen Elemente in meinem Schwimmreifen auf wundersame Weise zueinander gefügt. Als Schreibcoach und -therapeutin arbeite ich heute mit erkrankten und gesunden Menschen an der Überwindung von kritischen Lebensereignissen, begleite Entwicklungsprozesse und schreibe Bücher. 2017 erschien als jüngstes Buch „Mit Schreiben zur Lebenskraft. Ein Übungsbuch für Frauen mit Krebserkrankung und ihren Angehörigen“, dass im Rahmen unserer SUDIJUMI-Arbeit für die Deutsche Stiftung Eierstockkrebs und unseren Schreibworkshops an der Charité entstanden ist. Im Frühjahr 2019 wird es im Buchhandel erhältlich sein, unter www.koesel.de/Lebenskraft kann es bereits vorbestellt werden.

„Lebenskraft und Lebensfreude“ sind in meinem Verständnis das Ergebnis von Entwicklungsprozessen. Sie müssen immer wieder neu ausbalanciert werden, denn kein Leben verläuft glatt, schmerzfrei und gradlinig. Schreiben hilft dabei, wieder aus den Tsunamis des Lebens aufzutauchen, denn es fördert den Kontakt zu zum Selbst und jenen Ressourcen, die es ermöglichen, nach Krisen immer wieder aufzustehen. Sich Schreibzeit nehmen lohnt sich! Diese Erfahrung weiterzugeben, ist mir ein Herzensanliegen. Deshalb biete ich mich meinen Schreibklient*innen als Begleiterin an, bei der Archäologie in eigener Sache ebenso wie als „Geburtshelferin“ für neue Ideen. Gemeinsam gelangen wir zu neuen Ufern.