Jutta Michaud

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Schreiben hilft! Feedback zu einem Zufallsfund

Lydia aus Nürnberg ist 33 Jahre und lebt seit 2016 mit einem Gehirntumor. Nach Operation, Bestrahlung und „unzähligen Therapien“ ist die junge Frau berentet und lebt ihr Leben so normal, wie es ihre Kräfte erlauben.

Auf der Suche nach neuen Inspirationen hat sie zufällig unser Buch „Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft“ entdeckt.  Es ist zwar schon ziemlich genau vor einem Jahr erschienen, wurde aber vom Verlag nur spärlich beworben. Daher freue ich mich besonders, dass Lydia es gefunden hat. Auch für sie war der Fund ein Glücksfall: Es habe sie zunächst sehr durchgerüttelt, dann aber dazu beigetragen, ihren inneren Frieden zu finden, schrieb sie als Einleitung ihres wunderbaren Feedbacks, das ich hier gerne teilen möchte. Nicht etwa zur Selbstbeweihräucherung, sondern weil Lydia die Wirkung unserer Schreibimpulse so authentisch beschreibt.

Als Autorin bekommt man außerhalb der Schreibgruppen, in denen diese und andere Übungen eingesetzt werden, nur selten ein Feedback wie dieses. Das liegt an der besonderen Dynamik der Gruppenarbeit, in der gleichermaßen Platz für Nachfragen ist, wie Zeit zum stärkenden Austausch über die entstandenen Texte. Lydias Erfahrungen sind daher sehr hilfreich, um bei künftigen Publikationen noch sorgsamer auf den Kontext der Anleitungen zu achten. Ihre Fragen haben wir inzwischen per Mail geklärt.

Liebe Lydia, an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, das ausführliche Feedback veröffentlichen zu dürfen! Unser virtueller Austausch, der mit der ersten Mail begonnen hat, ist  für mich ein wahres Geschenk!

Der Beitrag mag länger sein, als man sie der Aufmerksamkeit von Bloglesern laut gängigen Blogratgebern zutrauen darf. Trotzdem habe ich mich entschieden, ihn in voller Länge zu veröffentlichen, denn Lydia hat sich viel Arbeit mit ihrem Feedback gemacht! Auch lesen kann Wertschätzung ausdrücken.

Liebe Blogcommunity, hier lesen Sie, wie Lydia die Übungen empfunden hat.

Mit Schreiben zu neuer Lebenskraft – Feedback – Was mich trägt (ab Seite 18)

Übungseinheit 1

Toller Einstieg um sich über die momentane Gefühlswelt klar zu werden!

Besonders für Menschen wie mich, die es sonst gut schaffen die Gefühle beiseite zu schieben. Endlich hat man einen Überblick darüber, wie man sich genau fühlt.
Auch wenn diese Übungen sehr emotional sind.

Übungseinheit 2

Wut:
Hier konnte ich lernen, dass ich den Fehler gemacht hatte, meine Wut zu unterdrücken, anstatt sie auch mal  rauszulassen. Sehr wichtig!

Innerer Weise:
Diese Übungen haben mir ein wundervolles Geschenk gemacht. Zu erkennen, dass ich alle Antworten bereits in mir trage, war eine unglaubliche Erkenntnis! Immer wenn mir nun etwas unklar ist, wenn ich meine Gefühle nicht einordnen kann oder ein Problem besteht, kehre ich an meinen Wohlfühlort zurück und rede mit meinem inneren Weisen, welcher es immer schafft mich aufzubauen.

Übungseinheit 3
Diese Übungen fand ich persönlich schwierig. Man muss viel überlegen, mir eröffnete sich allerdings auch die Erkenntnis, das zu kämpfen zwar gut ist, Akzeptanz jedoch der nächste Schritt.

Übungseinheit 4
Diese Übungseinheit gab mir meinen inneren Frieden, um den ich seit 3 Jahren kämpfte, wieder zurück. Diese Übungseinheit hat vieles offen gelegt und ich bin unendlich dankbar, dass Sie mir diese Übungen zur Verfügung gestellt haben!

Übungseinheit 5
Ein toller Weg, um zu erkennen, dass ich es schaffen werde mit der neuen Situation, dem neuen Leben zurecht zu kommen, da alles was mir früher geholfen hat, auch jetzt noch vorhanden ist. Diese Übungen gaben mir Stärke und Zuversicht.

Schatzsuche:
Diese Übung fand ich anfangs ehrlich gesagt unlösbar. Wenn man auf einmal behindert ist, hat man sehr mit dem Selbstbewusstsein zu kämpfen. Anfangs musste ich lange überlegen damit mir überhaupt positive Dinge eingefallen sind.
Nun nach vielen Wochen, fällt es mir sehr viel leichter positive Dinge zu entdecken. Diese Übung hat mein Blickfeld enorm erweitert! Was für ein Geschenk!

Feedback – Kraftquellen (ab Seite 32)
 Übungseinheit 1
Diese Übungen haben mir geholfen zu erkennen, wie wichtig meine Freundschaften sind. Durch meine Behinderungen kann ich nicht mehr viel unternehmen, auch kann ich mich nicht lange mit Freunden treffen, da es mich sehr anstrengt. Hier neigt man dazu, sich seltener mit Freunden zu treffen, da man es immerzu körperlich (z.B. mit Kopfschmerzen) büßen muss.

Für die Seele sind Freundschaften jedoch so unglaublich kostbar! Dies habe ich durch die Übungen erkannt. Und versuche hier nun einen guten Mittelweg zu finden, auch wenn es Überwindung kostet.

Übungseinheit 2

Diese Übungen finde ich enorm wichtig, gerade für Menschen wie mich, die sich lieber um andere kümmern, anstatt selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies empfinde ich heute noch als schwierig. Es ist immer wieder eine Überwindung. Offen darüber zu reden hilft jedoch sehr.

Übungseinheit 3
Ich habe mich in all den Jahren niemals hängen lassen, habe immerzu neue Therapien gesucht und durchgezogen, immer nach Möglichkeiten gesucht
meine Lage zu verbessern. 
Diese Übungen haben mir gezeigt, dass man auch für die Familie stark sein muss, sich nicht hängen lassen sollte und dass meine Familie mich braucht. Ich mache es also genau richtig.

Sagen sie Ja:
Durch diese Übung – die ich persönlich auch schwierig fand, weil man sich am liebsten nicht mit der Zukunft beschäftigen möchte, da sie ja sowieso nicht
so ist, wie man es sich wünschen würde – habe ich gelernt mir trotzdem Ziele zu setzen. Mich damit auseinander zu setzen, was ich noch alles erreichen möchte, egal ob es aktuell machbar ist oder nicht. Sich mit den eigenen Wünschen auseinander zu setzen erweitert auch schon den Horizont.

Übungseinheit 4

Durch diese Übungen habe ich gelernt, was mir Therapeuten und Ärzte schon seit Jahren sagen, endlich auch mal an mich zu denken. Ich gönne mir nun
tatsächlich auch einmal Zeit für mich, in der ich etwas tue was mir Spaß macht. Vorher bestand mein Leben nur aus Therapien, Reha – Sport und Haushalt. Eben alles was ich als sinnvoll erachtet habe, um immer weiter voran zu kommen. Mich selbst habe ich in diesem endlosen Kampf vergessen.
Nun führe ich Buch darüber was ich tue, um mir selbst einmal Freude zu bereiten.
Ein Meilenstein an Fortschritt!

Übungseinheit 5
Nach diesen Übungen habe ich ein Trostbuch gebastelt. Momente dich mich immer glücklich machen, ein schöner Urlaub, Bilder meiner Familie, meine Hochzeit.
Dinge, die mein Herz erfreuen und mir Kraft geben an einem schweren Tag.

Feedback – JETZT (ab Seite 44)

Übungseinheit 1

Diese Übungen waren für mich eher schwierig umsetzbar.

Mir mangelt es nicht an Zeit, sondern an Kraft und Energie, um viele Dinge zu tun.

So geht es sicherlich auch vielen Patientinnen, die sich müde und erschöpft fühlen.

Natürlich bin ich auch eine Ausnahme darin, dass ich durch meinen Willen und Tatendrang immer genug finde was ich tun muss/möchte.

Mein Problem ist daher keinesfalls die fehlende Zeit an sich, sondern

die wenige Zeit die man sinnvoll nutzen kann aufgrund der Einschränkungen. Dies ist eine große Belastung, diesen Zustand zu akzeptieren. Und ich denke viele müssen auch damit kämpfen nicht mehr so leistungsfähig zu sein wie früher.
Eventuell hätte man auch auf dieses Problem eingehen können?

Was hindert mich:
Bei dieser Übung finde ich das Beispiel nicht ganz so gut gewählt. Angenommen ich stehe vor der Wahl Reiten oder Sportstunde. Dann wähle ich die Sportstunde.
Nicht weil mir reiten nicht mehr so wichtig ist, sondern weil mir die Sportstunde in meinem körperlichen Befinden, im Kampf um die Rückgewinnung körperlicher Kräfte mehr nutzt. Ich würde immer noch gerne reiten gehen. Aber die Priorität liegt beim Kampf um Verbesserung. Deshalb komme ich nicht zu dem Schluss, dass Reiten mir nicht mehr so wichtig ist, sondern ich bedauere die wenige Zeit, die ich tatsächlich nutzen kann.
Hier würde ich eher ein anderes Beispiel angeben.

Lebensträume:
Eine tolle Übung, um sich klar zu werden, was man sich bereits erfüllt hat, oder was ich auch verändert hat.

Übungseinheit 2
Wunderbare Übungen um zu erkennen, dass das Yin Yang Prinzip tatsächlich wahr ist! Es findet sich in jeder Begebenheit etwas Positives sowie Negatives.
Dies hilft, auch in der jetzigen Situation nach positiven Dingen zu suchen.
Und es hilft sich damit zu befassen, dass man Abschied nehmen muss vom alten Leben, egal wie schwer es einem fällt. Man muss loslassen.

Übungseinheit 3
Hierzu kann ich nicht viel sagen, da ich glücklicherweise schon immer frei von Gruppenzwang bin und mache was ich möchte. Ich denke es sind jedoch bestimmt hilfreiche Übungen für Menschen, die dies nicht so gut können.

Feedback – Positive Gefühle (ab Seite 56)

Übungseinheit 1

Sehr wichtige Übungen, um zum einen zu erkennen, die kleinen Glücksmomente des Lebens aktiv zu suchen, und zum anderen um sich in schweren Situationen selbst aktiv in eine positive Richtung zu lenken, und bspw. sich an Momente

erinnert in denen man glücklich war.

Das Glück kommt nicht von allein. Man muss hart daran arbeiten, in dieser neuen Situation positive Dinge zu entdecken, aber wenn man am Ball bleibt und jeden Tag etwas dafür tut, verändert sich die Sicht, und man ist dankbar für Dinge, die früher selbstverständlich waren. Es ist so unglaublich wichtig sich in dieser Lage damit zu beschäftigen was einen selbst glücklich macht.
Und dazu braucht man manchmal Hilfe, in Form von diesen Übungen!

Übungseinheit 2
Wie wichtig Gelassenheit ist, konnte ich bereits erkennen, als ich jemanden in der REHA kennenlernte, der schon seit 10 Jahren behindert ist und wunderbar damit zurechtkommt.  Aufgrund Ihrer Übungen führe ich nun eine konsequente und realistische Wochenplanung, welche mir hilft nicht nur die Arbeit und Aufgaben zu sehen, sondern auch die Momente für mich. Des Weiteren sammle ich Glücksmomente, und je öfter ich einen Smiley Sticker in mein Buch klebe, umso öfter
sehe und entdecke ich schöne Momente im Alltag. Ein unglaublich wichtiger Prozess!


Übungseinheit 3
Hier fand ich den Einstieg sehr schwierig. Nach so vielen Übungen die vom Glück, vom positiven Denken handeln und nachdem ich meine innere Ruhe gefunden hatte, sollte ich mich jetzt wieder auf den Zorn konzentrieren. Ich war aktuell nicht mehr zornig und wollte mich auch nicht damit befassen. Ich habe es dann versucht, empfand es aber wie einen Rückschritt. Auch das Thema Schmerzen fand ich an dieser Stelle der Übungen schwierig.
Sicher wird es besser sein, den Patienten erstmal aufzubauen und sich dann mit diesem schwierigen Thema zu befassen. Für mich fühlte es sich „falsch“ an. Ich wollte mich nicht mit negativen Gedanken befassen. Ich will meinen Fokus
auf die positiven Dinge richten. Die Schmerzen sind nun mal da und bleiben ein Teil von mir.

Übungseinheit 4
Hierzu kann ich leider keine Auskunft geben, da ich von mir aus, bereits jederzeit den Willen besitze meine Lage zu verbessern und da muss man eben Sport machen, mit diesem inneren Schweinehund, habe ich kein Problem. Da ist der Wille stärker. 😉


Feedback – Magische Momente (ab Seite 68)
Übungseinheit 1
Was für eine wundervolle Idee hier die Magie mit einzubeziehen! Man kann sie im Alltag finden, wenn man danach Ausschau hält.

Das magische Porträt:
Diese Übung ist bestimmt wunderbar. Allerdings fehlt hier für mich Information.
Ich soll die Satzanfänge beenden. Also zum einen frage ich mich, welche Frau mit Krebs fühlt sich momentan als Pferd, kraftvoll und selbstbewusst? Und auch die anderen Dinge… ich soll mir vorstellen ich bin ein Schmuckstück. Nun dann bin ich gerade eine kaputte Uhr, deren Zeiger zu langsam gehen. (aufgrund meiner Behinderungen)

Soll es hier vielleicht eher um eine positive Wunschvorstellung gehen? Und nicht wie man sich aktuell fühlt? Denn die aktuelle Betrachtungsweise ist eher deprimierend.
Ich wäre an dieser Stelle über zusätzliche Information erleichtert gewesen.
(Darüber haben wir uns inzwischen ausgetauscht. Es geht bei dieser Übung darum, sich als mehr zu sehen als nur als Menschen mit einer Krankheit. Danke für den Hinweis, dies noch genauer erklären zu müssen!)

Die anderen Übungen finde ich absolut toll und wirksam!

Übungseinheit 2
Sehr wichtig, um wieder zu lernen eine Zukunft zu sehen, und zu erkennen, dass, obwohl viele Dinge vielleicht nicht mehr möglich sind, es trotzdem Dinge gibt, die man eventuell noch schaffen könnte! Auch um zu lernen Wünsche umzuformulieren, Teile davon wahr zu machen ist auch schon ein Glück.


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