Jutta Michaud

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Schreibend die Zeit anhalten

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Erst eine Woche liegt die Leipziger Buchmesse zurück und doch schaue ich fast ungläubig auf die letzten Tage zurück, denn inzwischen habe ich einige Tage in den USA verbracht, um mit meiner Familie den 90. Geburtstag meines Vaters zu feiern.

Unsere Lebenszeit fliegt in Lichtgeschwindigkeit dahin, so fühlt sich das zumindest in diesen Tagen für mich an. Deshalb finde ich es besonders wichtig, die schönen Momente, die sie uns bietet, zu genießen und für schlechte Zeiten festzuhalten. Als eine Ressource, aus der man immer wieder schöpfen kann, wenn das Leben wieder einmal anders läuft, als man es gerne hätte.

Für mich funktioniert das am besten mit den Methoden des Journalings, einer Form der persönlichen Schreibzeit, die ich meinen Klient*innen in Einzelcoachings und Gruppenangeboten immer wieder gern mit ans Herz lege. Mich begeistern die vielen Facetten dieses erweiterten Tagebuchschreibens immer wieder neu: wertvolle Augenblicke festhalten, Selbstcoaching beim Treffen schwieriger Entscheidungen oder in kritischen Lebenssituationen, berufliche Pläne verfolgen und vieles mehr.
Innehalten, wenn zu viele innere Bilder zu verwischen drohen. Was also blieb von der Buchmesse, wurde nicht zugedeckt durch die vielen Eindrücke, die sich bereits wieder dazwischengeschoben haben?

Da ist die Erinnerung an das besondere Gefühl, das eigene Buch am Verlagsstand zu besuchen. Der Austausch mit interessierten Menschen im Sachbuchforum. Vor allem aber die kreative Atmosphäre an einem Ort, an dem tausende von „Geisteskindern“ schreibender Menschen debütieren. In den Messehallen flirrt die Luft, knistert es aus berührten wie berührenden Buchseiten aller Genres, liegen Vorfreude auf die Lektüre wie Autorenhoffnungen auf einen Bestseller greifbar in der Luft.

Einmal tief durchatmen, aufschreiben und schon geht es weiter zu den nächsten Aktivitäten und Reisen. Am 10. April sind wir mit der Schreibtour in Essen. Berliner Blogleser*innen sind herzlich eingeladen zu unserer Kombination aus Lesung und Workshop in der Patientenbibliothek des Campus Benjamin Franklin am 11. April von 16.00 -18.00 Uhr. Diesmal wird unser Buchteam unterstützt von der Schauspielerin Nives Kramberger, die sich schreibend durch ihre Chemotherapie begleitet hat. Ihre Texte sind gleichermaßen berührend wie kraftvoll und zeigen einmal mehr, wie man sich schreibend wirksam selbst unterstützen kann.

 

 

 

3 Kommentare

  1. Eine schöne Idee, „schreibend die Zeit anzuhalten“ – denn wie schnell sind diese besonderen Momente, die jeder hat, im Leben sonst verflogen…

  2. Ich wäre gern gekommen, habe aber just am 11.4. Catering für das Centre Bagatelle zugesagt. Schade.
    Was das Anhalten der Zeit betrifft, tendiere ich nicht zum Schreiben sondern zum bewusst in die Gehirnzellen tackern. Vieles, das ich für erinnernswert hielt und aufschrieb, war im Nachhinein banal. Dinge, die ich mir in dem Moment, wo sie passierten, als erinnernswert markiert habe, sind über viele Jahre inclusive Rahmenbedingungen (wer mit wem, wo, welche Geräusche und Gerüche…) präsent geblieben.
    Ist natürlich für Schreibcoaches ein ungeeignetes Instrument. 😉

    • Liebe Gabi,
      „in die Gehirnzellen tackern“ ist natürlich auch eine Methode. Ein gutes Gedächtnis ist dazu allerdings die Grundvoraussetzung! Und man muss in der Lage sein, die entsprechende Erinnerung zur passenden Gelegenheit abzurufen – das ist leider nicht allen Menschen gegeben und gerade dann schwierig, wenn man gefühlsmäßig im Tief sitzt. Oder wenn die Erinnerung verblasst.
      Wer die Fähigkeit hat, Erlebtes so wie Du abzurufen, ist jedoch gesegnet! Es ist wie immer beim Schreiben und bei allen anderen kreativen Tätigkeiten: Jede(r) muss für sich herausfinden, was für sie oder ihn passt. Nichts muss… alles darf. Danke für Deinen Kommentar! 🙂

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